In festlicher Form wurde am 12. April die 28. Internationale Mailänder Mustermesse eröffnet. Neben den Fahnen der beteiligten Nationen wehten in diesem Jahre auf dem „Palast der Nationen“ zum ersten Male auch die schwarz-rot-goldenen Farben der Bundesrepublik.

Eine gewaltige Brücke spannt sich über Länder und Meere – unter diesem Zeichen öffnete die „Fiera di Milano“ dieses Jahr ihre Tore der Welt. Diese Brücke ist symbolisch für die wirtschaftliche und auch politische Aufgabe, die sich diese bedeutendste Musterschau Europas gestellt hat: sie will ein Bindeglied zwischen den Völkern sein, ein Platz, auf dem sich fern von allen politischen Streitgesprächen die Kaufleute der Welt treffen und verständigen sollen. Daß den Verbindungen zu den Staaten des Balkans und des Nahen Ostens dabei besondere Bedeutung beigemessen wird, ergibt sich schon aus der geographischen und historischen Lage der lombardischen Hauptstadt.

Unter den ausländischen Teilnehmern an der Messe nimmt Westdeutschland auch in diesem Jahre wieder einen hervorragenden Platz ein, Auf 782 Ausstellungsständen sind Erzeugnisse aus Westdeutschland zu sehen. Damit entfallen rund 25 v. H. der gesamten Auslandsbeteiligung auf Firmen aus dem Bundesgebiet. Die Messe, die bis zum 30. April geöffnet ist, ist von 5000 italienischen . und 3000 ausländischen Ausstellern beschickt. Neben den einzelnen Ausstellungsständen hat Westdeutschland im „Palast der Nationen“ einen offiziellen Stand, der durch seine geschmackvolle Ausstattung ganz besonders angenehm auffällt.

Auf Grund der letztjährigen Erfahrungen – 1949 wurden in Mailand für rund 3,5 Mill. $ Kaufabschlüsse durch westdeutsche Firmen getätigt – hat man sich in diesem Jahre darauf beschränkt, nur solche deutschen Erzeugnisse auszustellen, die auf dem Weltmärkte wirklich konkurrenzfähig sind: Spezialmaschinen, optische Geräte, Automaten, Kleineisenwaren, Solinger Schneidwaren, Porzellan und u. a. elektromedizinische Apparate. Besonders erfreulich ist, daß das Messe-Sonderkontingent für deutsche Aussteller, das im Vorjahre nur 0,5 Mill. $ betrug, dieses Jahr auf 2 Mill. heraufgesetzt werden konnte, wobei die Lizenzierung aller im Rahmen dieses Kontingents getätigten Geschäfte zugesagt wurde.

Das Ausstellungsgelände selbst ist gegenüber 1949 noch weiter modernisiert und ausgebaut worden. Die großartige organisatorische Leistung, die in dieser Beziehung von allen Beteiligten seit 1945 – damals war das Messegelände nach schweren Bombardierungen ein einziger großer Trümmerhaufen – vollbracht wurde, illustrieren am besten einige Zahlen: während 1946 nur vier ausländische Staaten offiziell vertreten waren, stieg die Zahl 1948 auf 18 und 1949 auf 22 Staaten. Villantiern.