Wenn es wahr ist, daß die besten Pläne langsam reifen, dann darf man der Musikhoch schule Hamburgs die schönsten Zukunftsaussichten eröffnen. Bis zur Zeit nach dem ersten Weltkrieg geht der Plan zurück; daß er nach dem zweiten Weltkrieg verwirklicht werden konnte, ist freilich eine Tatsache, die eine neue kulturpolitische Initiative der Hansestadt bezeugt. Hamburg ist ja nicht erst seit den Tagen, da Gustav Mahl er und Karl Muck das künstlerische Leben dieser Stadt bestimmten, sondern schon seit der Zeit, da hier die erste bürgerliche Oper entstand und ein Johann Sebastian Bach sich – vergeblich – um eine Kantorenstelle bewarb, eine Musikmetropole ersten Ranges. Dies betonte der Wirtschaftssenator Prof. Dr. Schiller, der auf der Feier der Akademieeröffnung in der Musikhalle sprach, mit vollem Recht. Aber mehr noch als die hamburgische Tradition dürfte ein anderer Umstand verpflichtend sein: die Erkenntnis nämlich, daß im norddeutschen Kulturraum eine Musikakademie durchaus erforderlich ist, zumal heute, da so viele künstlerische Werte auf dem Spiele stehen. – Diese Kulturgefährdung, die wahrhaft europäisches Format hat, deutete der Direktor der neuen Hochschule, Professor Philipp Jarnach, in seiner Ansprache an und zeigte den Weg, auf dem er seine Akademieschüler führen möchte: Die Würde des europäischen Kunstbesitzes soll Maßstab des Gegenwärtigen und Zukünftigen sein. – Übrigens, so sehr die Musikhochschule Köln den Verlust Jarnachs, der seit Jahrzehnten hier lehrte, bedauert, so sehr darf die neue Akademie Hamburg sich zu diesem Direktor gratulieren, der nicht nur als Komponist Bedeutendes leistete, sondern als einer der feinsten, kultiviertesten Geister souverän im Kulturleben der Gegenwart steht. Und Kritikvermögen und die Kraft, gute Wege zu weisen, ist heute nicht weniger selten als Schöpfertum, Und nicht weniger wichtig! M