Ein preisgekröntes Hörspiel des NWDR

In dem durch Kriege und Revolutionen zerrütteten Irland kauft sich um 1740 ein reicher junger Mann ein kriegsstarkes Heer von 3000 Mann, um Dublin, die von irgendwelchen Feinden schwer bedrängte Hauptstadt, zu befreien. Er tut das weder aus Vaterlandsliebe noch aus Abenteuerlust, sondern um die Geliebte seines Herzens endlich heiraten zu können. Denn deren – Vater will sie nur einem Mann zur Frau geben, der sich vorher als Held und Patriot bewiesen hat. „General“ Frédéric befreit Dublin; die Stadt jubelt dem „unsterblichen Feldherrn“ zu, der sich freilich während der Schlacht weit hinter den kämpfenden Linien aufgehalten hat, weil er kein Blut sehen kann. Er kümmert sich nicht um den Jubel, sondern eilt zu seiner Braut, um sich mit ihr trauen zu lassen. Aber kurz vor der Trauung melden die Fanfaren seiner Truppen einen neuen Feind. – An dieser Stelle des Hörspiels „General Frédéric“ ahnt der Hörer zum erstenmal den unheilvollen Akzent, der das Leben eines friedliebenden, herzlichen und klugen Mannes – kurz eines Menschen – ab jetzt bestimmen wird: Feldherr wider Willen, Krieger gegen Herz und Gewissen zu sein. Nichts läßt Frédéric unversucht, seine Soldateska los zu werden. Als er gar keinen Ausweg mehr sieht, läßt er sie in irgendeiner Schlacht ohne Gewehre frontal gegen einen überlegenen Feind losgehen, während er selbst in einer Kutsche davon fährt. Aber noch vor dem nächsten Dorf holt ihn ihr Siegesgeschrei ein: sie haben den Feind mit dem Degen und bloßen Händen bezwungen.

Diese Handlung hat der Verfasser des Hörspiels, der Franzose Jaques Constant, in bisweilen groteske Szenen aufgelöst, die die Verlorenheit eines Mannes, der ein Bündnis mit dem menschenmordenden Krieg schließt, um die geliebte Frau zu erringen, mit geradezu schmerzlicher Ironie und Satire deutlich werden lassen. Seinen satirischen Höhepunkt erreicht das Spiel – das auf der ersten Hörspiel-Biennale in Venedig 1949 mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde –, als der desertierte Frédéric von seinen Truppen aufgestöbert wird und nun das Ende erwartet: statt dessen aber feiern sie ihn erneut als einen tollkühnen Kriegshelden.

Die Sendung im Nordwestdeutschen Rundfunk Hamburg ließ unter der Regie von Kurt Reiß alle funkdramaturgischen Vorzüge des meisterhaft gebauten Hörspiels sichtbar werden: einen temperamentvollen, spannunggeladenen Dialog, holzschnittartig aneinander gereihte Szenen, deren Tempo von Szene zu Szene gesteigert werden muß. Aber diese notwendige Steigerung des Tempos entging leider dem Regisseur; er spielte schon im Anfang zu wuchtig auf: in der Szene, da Frédéric seiner Mutter (Ida Ehre) seinen Entschluß, Feldherr zu werden, mitteilt, glaubt man einer griechischen Tragödie, nicht aber einer Satire zuzuhören. Arno Assmann als General Frédéric ist für den Funk als Sprecher wie geschaffen: klar, hart und untheatralisch. Den satirischen Charakter des Spiels traf Heinz Klevenow als Hauptmann Gigant am besten. Das war die Stimme des ewigen Landsknechts, die sich vor Stolz überschlägt, wenn Dörfer und Städte niedergebrannt sind. Die Musik für die deutsche Fassung schrieb Siegfried Franz.

P. Hühnerfeld