Das Zwischenspiel um Triest, das in den letzten acht Tagen die Gemüter in Rom und in Belgrad erhitzte, zeigt die Schwierigkeiten deutlich, denen die Amerikaner hier gegenüberstehen. In der Triester Frage, die eine verzweifelte Ähnlichkeit mit dem Danziger Problem zwischen den beiden Kriegen hat, herrschte eine einigermaßen klare Situation, ehe es zum Bruch zwischen Belgrad und Moskau kam. Bis dahin waren Intention und Aufgabe der USA selbstverständlich: nämlich Rückführung Triests in den italienischen Staatsverband, wohin es in Wirklichkeit gehört. Man kann heute leicht sagen, es sei von den Westmächten umsinnig gewesen, der Errichtung des Freien Territoriums Triest mit den Zonen A und B, von denen die erste von ihnen selbst, diezweite von Jugoslawien besetzt ist, überhaupt zuzustimmen. Nachdem sie aber, trotz Churchills Anstrengungen, auf den Leim von Jalta gegangen waren, war es bereits ein Erfolg, auch nur den jetzigen Status von Triest durchzusetzen und zu verhindern, daß die alte Hafenstadt überhaupt eine Beute des Kommunismus wurde. Seit aber die Kampf Linie zwischen West und Ost infolgedes Konflikts zwischen Tito und Stalin nicht mehr – mitten durch Triest geht, sondern weiter östlich verläuft, sind die Amerikaner vor das Problem gestellt, bei beiden Kombattanten der Triester Frage Interessen zu vertreten. Sie können die Italiener nicht brüskieren, denen sie 1948, kurz vor der Parlamentwahl, die Zusage gemacht haben, sich für die Rückkehr Triests nach Italien einzusetzen, sie möchten aber auch Tito, den sie für ein Aktivum im Kalten Krieg halten, nicht vor den Kopf stoßen.

Der jetzige Konflikt entstand, als der italienische Außenminister Graf Sforza in einer überaus liebenswürdigen Rede an die Belgrader Adresse den Vorschlag machte, die Triester Frage jetzt zu lösen und die beiden Zonen, unter Grenzkorrekturen zugunsten Jugoslawiens, an Italien zurückzugeben. Aus Belgrad kam ein wütendes Echo worin von „Drohungen und Erpressungen“ die Rede war. Der Propagandadonner wurde so heftig, daß der amerikanische Botschafter in Belgrad, Allen, resigniert die Romreise aufgeben mußte, die er gerade machen wollte. Den amerikanisehen Journalisten in Belgrad wurde eingeschärft, daß eine Stellungnahme der USA zugunsten Italiens nicht nur die Beziehungen zwischen Belgrad und Washington aufs schwerste belasten, sondern auch die Widerstandskraft Jugoslawiens gegen die Sowjetunion gefährlich schwächen würce. Dennoch scheint sich Tito diesmal nicht recht durchgesetzt zu haben. Denn zum Wochenende protestierten die Botschafter der Westmächte in Belgrad gegen die Einbeziehung der Zone B in das jugoslawische Zollgebiet, die vor einiger Zeit erfolgt ist, und ein zweiter Protest gegen die Wahlen, die Tito am letzten Sonntag in der Zone B nach besten kommunistischen Mustern abhalten ließ, wird vielleicht noch folgen. H. A.