Ein Flug über den Atlantischen Ozean ist heute nicht viel mehr als ein gewöhnlicher Ausflug. Daher haben sich die skandinavischen Luftfahrtgesellschaften etwas Neues ausgedacht: Wochenendflüge zum Nordpol In diesem Sommer werden als Vorbereitung, hierfür zum erstenmal regelmäßig Routen in das Polargebiet beflogen. Im nächsten Jahr sollen dann die „richtigen“ Polflüge folgen.

Diese „Expeditionen“ werden ganz bewußt als nervenprickelnde Attraktionen für amerikanische Touristen gestartet. Man rechnet damit, daß die Amerikaner mit Vergnügen Dollars springen lassen werden, um über den Nordpol fliegen und gleichzeitig einen Polar-Lunch mit Walroßfleisch einnehmen zu können. Ausgangspunkt der Flüge wird Luleå an der nördlichsten Spitze der schwedischen Ostküste sein, ein Ort, der von Stockholm aus mit großen Maschinen in zweieinhalb Stunden zu erreichen ist. Von Luleå aus beträgt die Entfernung zum Nordpol 2700 Kilometer, eine lange Strecke zwar, jedoch für die modernsten Maschinen ohne Risiko im Hin- und Rückflug zu bewältigen. Solange es noch keine Landungsmöglichkeiten auf dem Nordpol gibt, würde eine Vergnügungstour von Luleå zum Pol und zurück rund 22 Stunden erfordern. Der norwegische Polarflieger Balchen hat aber bereits angeregt, die Amerikaner sollten im Polargebiet eine Station einrichten. In diesem Sommer fliegen die skandinavischen Gesellschaften zunächst in ein Gebiet bis 84 Grad nördlicher Breite, eine Strecke, die im Hin- und Rückflug in elf Stunden bewältigt wird. Der Flugschein kostet etwa 200 Dollar. Der Preis für einen Flug zum Nordpol wird rund 400 Dollar betragen.

Schwedische Kreise, die für diese neueste Form sensationellen Zeitvertreibs verantwortlich sind, rechnen mit überwältigendem Andrang. Die Eiswüsten, in denen Peary, Andree, Amundsen, Tsjitsjagof unbeschreibliche Strapazen bestanden haben, können jetzt von einem bequemen Sessel aus mit einem flüchtigen Blick bedacht werden.

R. R.