Hamburger Auftakt einer Tournee

Unter der Leitung von Max Sauer-Falbriard bereist eine Stagione d’Opera Italiana mit Künstlern der Mailänder Scala Deutschland. Sie begann ihre Tournee in Hamburg (Theater am Besenbinderhof) mit Rossinis „Barbier von Sevilla“.

Es ist bekannt genug, daß für den Italiener „Oper“ in erster Linie – und fast ausschließlich – „Gesangstück“ bedeutet und daß sein angeborenes Spieltemperament die Fesseln der Regie (auf deren Haltbarkeit bei uns so viel ankommt) zu sprengen liebt. Jede Aufführung ist hier in viel höherem Grade Improvisation, als das bei irgendeinem Ensemble anderer Nationalität statthaft und ratsam wäre. In dieser „Barbier“-Vorstellung gab es freilich Momente, in denen diese Tugenden der virtuosen Technik, der souveränen Naturbegabung wie der grundsätzlichen Bevorzugung des Gesanglichen sich etwas allzu unbedingt behaupten zu wollen schienen. Es gab bei aller Turbulenz auf der Szene unausgefüllte oder überdrehte Stellen des Spiels, der Kontakt zwischen Sängern und Instrumentalisten war des öfteren mehr als fragwürdig, und das Orchestrale hielt sich auf dem Niveau einer mittleren Kurpromenadenkapelle.

Dennoch: Italiener singen zu hören und agieren zu sehen, ist immer ein Vergnügen, weil mindestens ihr „Können“ nie versagt und auf so unvergleichlich soliden Füßen steht. Es gab aber hier auch prachtvoll ergiebige Stimmen: Maria Erato (Rosina), Leo Piccioli (Figaro) und Vincenzo Bettoni (Basilio), neben und mit denen Augusto Lazzari (Almaviva) und Vittorio Baldo (Dr. Bartolo) ebenso Bestrickendes im belcanto wie Erstaunlich-Amüstantes im entfesselten parlando leisteten und dem Abend Glanz, Tempo und entsprechend rauschenden Erfolg einbrachten.

-th