Berlin, im April

Es ist nicht nur eine französische Variante des Fauststoffes, die René Clair mit La beauté du diable (kurz nach der Pariser Uraufführung tun Berliner Kurfürstendamm gezeigt) liefert. Es Ist eine spezifische Variation des geistreich-amüsanten Zauberkünstlers René Clair selbst. Mit Salacrou zusammen hat er zwischen Goethe (als verleugneter direkter Quelle) und Volkssage die Ironie des nachgeborenen Beobachters eingepflanzt und läßt sie, überall das Gewicht des Vorwurfs entschwerend, spielerisch wuchern.

Faust läßt sich von Mephisto, seinem anderen Ich, in einen Jüngling verwandeln. Mephisto aber muß, da das Verschwinden des Professors Faust Mordverdacht auf den Jüngling wirft, in der Maske des Alten durch den Film gehen. Er folgt dem Jungen durch alle Stationen eines neu gewonnenen Lebens. Wo die Sorgen und Wünsche brennend werden, ist Mephisto in der Faustmaske zur Stelle. Er lenkt des Chevalier Henri gloriose Fahrt durch die Genüsse des Daseins: an den Fürstenhof, zur Fürstin, als Goldmacher und Laureatus. Die Frage des Unbefriedigten, Süchtigen an seinen mephistophelischen Begleiter vor dem Spiegel: was denn nach allen Erfüllungen endlich noch folge, wird filmisch grandios illustriert: ein szenisches Pandämonium von Umarmung, Giftmord, Untreue, neuer Umarmung, Haß, Leid, Krieg... Der junge Heinrich flieht Vor dem grausigen Zukunftsblick vor dem Teufel, wie er meint, in die Naivität des schwarzen Zigeunermädchens Margarete, des ersten seligen Erlebnisses seiner Verwandlung. Aber als das Gold, das Mephisto Faust und sein Ritter Heinrich der Welt verschafft hatten, in Staub zerfällt, rast der Mob gegen den Schuldigen und wirft ihn in den Kerker. Die Hexe Margarete entlarvt den Mann in der Faustmaske als den Bösen. Die Hölle verschlingt ihn in Schwefel und Feuer Und entläßt den Jüngling Faust aus dem Pakt zu seiner Zigeunerin.

Mit dem (frei – nach Goethe!) verwandelten Stoff hat sich René Clair nur die Folie für ein Feuerwerk von Aperçus über die Welt und ihre Bemühung um Geist und Materie geschaffen. Aus der dialektischen Spannung wie aus der Kraft der Bildermontage zieht dieser Film seine vorzüglichsten Reize. Er nimmt sich nichts vor, was einer „Idee“ ähnlich sähe. Es ist ein spielerisches Unterfangen, für das besonders mit Michel Simon ein Darsteller von komödiantischer Brillanz zur Verfügung stand. Das junge, eindringliche Gesicht von Gérard Philipe gibt dazu eine geradezu Ideale Ergänzung: Jugend in ihrer Zeitlosigkeit wie ihrer Gegenwärtigkeit zu jeder Zeit.

Karl Wilbe

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