In der Ostzone gelten nach wie vor die Stopppreise von 1944. Wie nun, wenn jemand Schadenersatz beansprucht oder zu leisten verpflichtet ist? Laut BGB ist in der Regel der Schaden in Geld auszugleichen. In welcher Höhe? Nach den Preisen von 1944 – dann müßte ein Bezugschein „mitbezahlt“ werden, weil sonst der Schaden nicht gedeckt wird, denn die Verknappung des Warenangebots im Osten drückt sich ja gerade darin aus, daß der „Geldwert“ dem „Warenwert“ nicht entspricht. Oder soll der Schaden nach den Preisen der ostzonalen Handelsorganisation, der HO, ersetzt werden? Hier liegt eine Streitfrage, die die sowjetzonalen Gerichte seit langem bewegt. Nunmehr ist man zu einer Patentlösung gekommen. Und diese sieht (nach der Verfügung Nr. 2/49 des Justizministeriums der „Deutschen Demokratischen Republik“) so aus:

1. verlangt der Gläubiger Schadenersatz, so kann ihm Geld nur in Höhe des Stopppreises zugebilligt werden;

2. da infolge der noch andauernden Warenknappheit der Gläubiger nicht in der Lage sein wird, mit dem ihm zugebilligten Betrag den fraglichen Gegenstand wiederzubeschaffen, kommt der Natural-Restitution erhöhte Bedeutung zu;

3. sollte der Schuldner der rechtskräftigen Forderung nach Lieferung eines gleichwertigen Gegenstandes nicht nachkommen, so muß es zulässig sein, von der durch das Vorhandensein der HO-Verkaufsstellen gegebenen Möglichkeit der Beschaffung eines Ersatzgegenstandes Gebrauch zu machen. Der in einer HO-Verkaufsstelle zu zahlende Preis setzt sich zusammen aus dem normalen Stopppreis und einer Art staatliche Abgabe, die den Zwecken der staatlichen Wirtschafts. und Finanzpolitik dient. Eine Verurteilung auf Grundlage der HO-Preise kann also nur erfolgen, wenn gleichzeitig sichergestellt wird, daß der fragliche Geldbetrag unmittelbar an die HO gezahlt wird, daß also der Einkauf zur Lieferung des Ersatzgegenstandes dort erfolgt.

Die Verfügung schließt mit folgendem Passus:

„Wenn das vorstehend empfohlene Verfahren auch etwas langwierig ist, so stellt es nach Auffassung des Ministeriums der Justiz und des Ministeriums der Finanzen doch die einzige Möglichkeit der Einschaltung der HO zum Zwecke der Gewährleistung vollen Schadens ersatzes dar.“ – Die Handelskammer Thüringen aber leitet den Abdruck dieser Veröffentlichung, mit folgenden Worten ein: „Da die Prozesse nicht in allen Fällen durch rechtskundige Personen geführt werden, ist es zweckmäßig, wenn sich die Firmen schon bei der Stellung ihrer Anträge nach dem Inhalt der Verfügung richten.“ W.