Mitte März hatte sich Dr. Georg Rosenstock aus St. Andrews Villa in Irland als Leser unserer Wochenzeitung in einer Zuschrift mit den Fragen der Liberalisierung des Außenhandels beschäftigt und darüber Klage geführt, daß in Irland die deutschen Waren nach wie vor von der Bildfläche verschwunden bleiben, obwohl sie wegen ihrer guten Qualität sehr stark gefragt sind. Die Veröffentlichung seiner Zuschrift brachte unserem Leser aus allen Teilen Deutschlands eine Fülle von Briefen ins Haus, in denen sich deutsche Kaufleute für seine Hinweise bedankten und um die Anschriften irischer Importeure baten.

Es ist verständlich, daß Dr. Rosenstock diese Anfragen nicht persönlich beantworten kann. Er bat uns daher, einige Hinweise zu veröffentlichen, die den deutschen Exporteuren die notwendigen Unterlagen geben könnten. Wenn seine Hinweise auch nur Ratschläge eines Laien sein sollen, so sind sie doch mit offenen Augen gesehen, und wir veröffentlichen sie mit der Überzeugung, daß damit die Handelsbeziehungen zwischen Irland und Westdeutschland ihrer Normalisierung nähergebracht werden können.

Jahr für Jahr findet, so führt Dr. Rosenstock aus, in Dublin die „Spring Show“ statt, der im September eine landwirtschaftliche Messe folgt. Wie wäre es nun, wenn deutsche Exportfirmen diese beiden Ausstellungen benutzen würden, um in einem Pavillon die für Irland wichtigen Waren auszustellen? Diese Ausstellungen könnten vielleicht auch der Anlaß sein, in Dublin endlich eine deutsch-irische Handelskammer oder eine ähnliche deutsche Wirtschaftsvertretung zu bilden, die in der Lage ist, den irischen Kaufleuten kompetente Auskünfte, Warenmuster und Prospekte zu geben. Irland lebt von der Landwirtschaft. – Daher würden landwirtschaftliche Maschinen und Geräte auf beiden Ausstellungen großes Interesse finden, denn schließlich schätzt Irland noch immer die Güte der Erzeugnisse, die die Bezeichnung „Made in Germany“ tragen. In den letzten Jahren bemühte sich Irland aber auch um den Aufbau einer eigenen Industrie, Hier könnte deutsche Erfahrung viel helfen. Ein besonderes Gebiet ist u. a. die Fischindustrie. Obwohl das Land buchstäblich mitten im Fischreichtum sich befindet, werden nicht unerhebliche Mengen an Fischkonserven aus Norwegen und Portugal eingeführt. Auch der Häuserbau ist von Bedeutung. In Hast und Eile und aus Freude am jüngsten Wohlstand werden Wohnhäuser errichtet, die nicht nur häßlich und dabei teuer sind, sondern vor allem aus minderwertigem Material bestehen. Gute deutsche Architekten und findige Bauunternehmer hätten bestimmt Erfolg, wenn sie auf den Ausstellungen in Dublin ansprechende Modelle zeigen würden.

Ohne Zweifel dürften sich einige dieser Anregungen verwirklichen lassen. Die deutschen Exporteure wären schon dankbar, wenn sie kleine Erfolge hätten, denn ihre großen Hoffnungen haben sie längst herabgeschraubt. Dafür machten sie in den rückliegenden Nachkriegsjahren zu „gute“ Erfahrungen. Daß die bisherige Importpolitik Irlands ihre Befürchtungen bestätigt, beweist eine Liste jener Waren, die künftig ohne quantitative Restriktionen aus den Marshall – Plan – Ländern eingeführt werden dürfen. Leider ist darin Westdeutschland neben Benelux und der Schweiz ausgenommen. Es bleibt abzuwarten, was die neuen Wirtschaftsbesprechungen bringen, die die irische Regierung für Anfang Mai mit Westdeutschland vorgesehen hat. Der bescheidene Handelsvertrag, der am 30. Juni abläuft, sah in seiner einjährigen Laufzeit westdeutsche Einfuhren aus Irland im Werte von 3,1 und westdeutsche Exporte nach Irland im Werte von 4,1 Mill. $ vor. Bisher konnte der Warenverkehr allerdings kaum die Hälfte der vereinbarten Höhe erreichen. Die Ursache dürfte darin zu suchen sein, daß die irischen Agrarprodukte auf preislichem Gebiet recht ungünstig liegen und zudem in Westdeutschland leider keiner besonderen Nachfrage begegnen. ww.