Hat es angesichts der vorhandenen geringen Kaufkraft und der hohen Arbeitslosenzahl einen Zweck, die Schuherzeugung noch weiter auszudehnen? Diese Frage legen sich die pfälzischen Schuhfabrikanten heute vor. Denn ihr schneller Aufschwung darf sie nicht zu Fehldispositionen verführen.

Noch im Januar 1949 hatten die Schuhfabriken der Pfalz – 500 Schuhfabriken zählt allein Pirmasens – lediglich 300 000 Paar Lederstraßenschuhe hergestellt. Bis in den Winter 1949 waren die Herstellungsziffern der Pfalz bereits auf 1,357 Mill. Paar je Monat gestiegen, aber man hatte mit dieser Zahl noch nicht die Vorkriegsproduktion erreicht. Es war lediglich gelungen, jenes Mißverhältnis zum größten Teil zu beseitigen, das sich beim Vergleich der Erzeugungsziffern der pfälzischen Schuhindustrie mit den Produktionszahlen der Schuhindustrie in der Doppelzone herausgebildet hatte. In der Vorkriegszeit stellte die Pfalz im Jahr durchschnittlich 25 Mill. Paar Schuhe und damit etwa 60 v. H. der Menge her, die damals in den Schuhfabriken des heutigen westdeutschen Gebietes entstanden.

In der Nachkriegszeit hat die Pfalz zunächst nur einen ganz bescheidenen Platz in der westdeutschen Schuhherstellung einnehmen können. Die starke Zerstörung der Stadt Pirmasens, die erheblichen Maschinenentnahmen, die Art, wie die Militärregierung die Schuherzeugung in der französischen Zone in ein auch über die Währungsreform sich fortsetzendes System der Produktions- und Absatzlenkung preßte, und nicht zuletzt die gegenüber der Doppelzone weit ungünstigere Rohstoffversorgung hatten die Produkttion verkümmern lassen. Unter solchen Umständen konnte die Industrie zu Beginn des Jahres 1949 nur etwa 15 v. H. der Mengen an Lederstraßenschuhen erzeugen, die die damals bereits der Zwangswirtschaft ledig gewordene Schuhindustrie der Doppelzone herstellte. Erst ab März 1949 konnte die pfälzische Industrie gegenüber der Doppelzone rasch und nachhaltig aufholen. Immerhin konnten die pfälzischen Schuhfabrikanten ihre Gesamtproduktion bis Jahresende 1949 auf 50 v. H. der Erzeugung der Doppelzone steigern.

Werden sie wieder einen Anteil erreichen, der 60 v. H. der Erzeugung ausmacht? Werden sie vor allem wieder jene führende Rolle in der Herstellung von Damenschuhen gewinnen, die sie früher mit einer Produktion von 70 v. H. der deutschen Gesamtherstellung hatten? Die Fabriken der Doppelzone haben naturgemäß die Chance ausgenutzt, die ihnen durch die Zonentrennung zugefallen war.