Die Evangelische Kirche Deutschlands hat ihren Entschluß wahrgemacht und die dritte gesamtdeutsche Synode in der Höhle des Löwen abgehalten, im Ostsektor von Berlin. Dort im sowjetischen Machtbereich, wo der Antichrist zu Hause ist und den Kindern den christlichen Glauben verächtlich macht, wo die Pastoren fast täglich gezwungen werden, Entscheidungen zuzustimmen, die sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, gerade dorthin hat Dr. Dibelius, der Bischof von Berlin-Brandenburg, die Vertreter der evangelischen Kirche zusammengerufen. Bundesinnenminister Heinemann als Präsident führt den Vorsitz, ausländische Bischöfe nehmen teil, alle vier Besatzungsmächte haben Vertreter entsandt.

„Was kann die Kirche für den Frieden tun?“, das ist das Leitmotiv der Tagung. Man wirft der Kirche häufig vor, sie überschreite ihre Zuständigkeiten und mische sich in die Politik ein. Doch wer will diese Grenze bestimmen, wenn es um den Frieden, geht, der als Sehnsucht das einzelne Menschenwesen genau so bewegt wie seine staatlichen Gemeinschaften? In der Arbeit am Frieden treffen sich Kirche und Staat. Und die Berliner Synode hat deutlich gezeigt, daß die Kirche ihren Anteil an dieser Arbeit erkannt hat: Nur wenn es gelingt, den hemmungslosen Materialismus, die Glaubenslehre der östlichen Welt, als Motor des modernen Menschen zu beseitigen, läßt sich der innere Friede des Menschen sichern, – und damit auch der politische.

Nicht allein die evangelische Kirche vereinigt ihre ganze Kraft auf dieses Ziel. In einer schönen inneren Verbundenheit ist am Tage der Eröffnung der Evangelischen Synode auch von den Kanzeln aller katholischen Kirchen der Sowjetzone ein Hirtenbrief verlesen worden, der den dialektischen Materialismus in seiner zynischen Gottlosigkeit verdammt und für den Unfrieden in der Welt verantwortlich macht. Was kann die Kirche für den Frieden tun? Das Wichtigste, was es überhaupt zu tun gibt: aus gläubigen Menschen die Bausteine schaffen, mit denen die Politik den Frieden bauen kann. C. D.