Unser Schmerzenskind Bonn machte wieder einmal von sich reden. Nicht seine außenpolitischen Ausflüge – seine Unterhaltungskosten gaben in diesem Falle den Anlaß. Was vorgesehen war, reicht nicht aus. Denn wenn sich auch der vom Bundestag eingesetzte „Untersuchungsausschuß zur Prüfung der im Bonner Raum vergebenen Aufträge“ in der vergangenen Woche gleich nach seiner ersten Sitzung auf Anfang Mai vertagen mußte, weil weder das Bundesfinanzministerium noch der Rechnungshof von Nordrhein-Westfalen ihre Unterlagen rechtzeitig eingereicht hatten, so steht doch dieses bereits heute fest: Bonn kostet zu viel Geld, sehr viel mehr Geld als ursprünglich angegeben wurde.

Drei Tage vor der endgültigen Abstimmung über die Hauptstadtfrage hatte der jetzige Staatssekretär im Wohnungsministerium, Dr. Wandersleb, der damals den nordrhein-westfälischen Kampf für Bonn führte, in einer Denkschrift erklärt: „Innerhalb der beiden nächsten Monate können sämtliche Ministerien in ihren endgültigen Unterkünften in Bonn in vollem Umfang tätig sein.“ Innerhalb der beiden nächsten Monate... Das ist heute sechs Monate her. Und es kann noch Jahre dauern, bis Verwaltungen und Beamte wirklich restlos in Bonn untergebracht sind. Solange aber wird den Steuerzahler die Zweigleisigkeit Bonn-Frankfurt monatlich weiter sinnlose Millionen kosten und das alles, weil man seinerzeit aus einer sachllchen Entscheidung über eine provisorische deutsche Hauptstadt einen parteipolitischen Machtstreit gemacht hat. C. J.