Am 27. April starb in Leipzig D. Dr. Karl Straube, der langjährige Thomaskantor, dessen Wirken tiefe Spuren im deutschen Musikleben hinterlassen hat und dessen geistiger und menschlicher Rang ihm ein unvergleichliches Ansehen gewann. Der 1873 in Berlin Geborene war seit 1902 Organist der Thomaskirche; seit 1918 bekleidete er das Kantorat, das höchstgeachtete Amt der deutschen evangelischen Kirchenmusik, das ihm 1939 sein Schüler Günther Ramin abnahm. Als Orgellehrer am Leipziger Konservatorium wurde er Erzieher einer ganzen Organistengeneration und beeinflußte auch die schöpferische Entwicklung manches zu Ruf gelangten Komponisten entscheidend. Lehren, Fördern und Helfen waren der Inhalt dieses Künstlerlebens, dem auch das Werk des Freundes Max Reger viel verdankt. Vor allem aber galt seine Arbeit dem größten seiner Amtsvorgänger: J. S. Bach. Mit der Beendigung der Gesamtausgabe Badischer Orgelwerke war Straube noch in den letzten, durch Not und Sorge getrübten Jahren und Monaten seines Lebens beschäftigt. Auch die Händel-Pflege war ihm ein wichtiges Anliegen. Allen diesen Aufgaben diente er sowohl als praktischer Musiker wie als wissenschaftlicher Kenner und Forscher und als Organisator. Der Thomanerchor stieg unter Straubes Leitung zu internationaler Geltung auf. Über allen sachlichen Verdiensten aber sollte das Bild des klugen, gütigen und noblen Menschen in der Erinnerung unserer an solchen Erscheinungen armen Zeit weiterleben

A-th.