Die früher so eifrig umstrittene Frage, ob „die“ Frauen in der Kunst mit „den“ Männern wetteifern könnten, ist durch den Verlauf der Ereignisse in den letzten Jahrzehnten überflüssig geworden. Große Künstlerinnen wie Käthe Kollwitz haben ganze Rudel von braven männlichen Künstlern unwichtig gemacht. Warum hält man dennoch bei Ausstellungen an der Trennung der Geschlechter fest? Sollen in der Kunst die Frauen als eine Partei für sich gelten? Eine Schau „Frauenbildnisse“, die die Vereinigung bildender Künstlerinnen in Hamburg veranstaltete, konnte auf solchen Wunsch schließen lassen. Sie kam aber, wie man erfuhr, nur darum so eingeschlechtlich zustande, weil die Jury der Jubiläums-Ausstellung in der Kunsthalle die Aufnahme dieser Werke abgelehnt hatte. Männliches Ressentiment? Wie dem auch sei: ein Werk wie Else Webers strenges und delikates „Bildnis S.“ beweist, daß das Motiv „Frau mit Strickstrumpf“ nicht nur nicht kunstwidrig ist, sondern mit allen Mitteln der modernen Malkultur – flächiger Auftrag, kräftige Umrisse, intensive statt sentimentale Stimmung – glücklich gelöst werden kann. Das ist aber kein weibliches Reservat, wie es der Strickstrumpf selbst einstweilen noch ist. C. E. L.