Die diesjährigen Feiern zum 1. Mai standen unter dem Eindruck des verschärften Ost-Westkonfliktes. Während in den Hauptstädten der westlichen Welt Polizei und Truppen bereitgestellt waren, um Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Nichtkommunisten auf ein Mindestmaß zu beschränken, nahm auf dem festlich geschmückten Roten Platz in Moskau Marschall Stalin, umgeben von den Führern der kommunistischen Partei und hohen Offizieren aller Waffengattungen eine große militärische Maiparade ab. Das Hauptaugenmerk der Welt richtete sich auf Berlin. Hunderttausende von Berlinern waren auf den Kundgebungsplätzen östlich und westlich des Brandenburger Tores zusammengekommen, um entweder für den Kommunismus oder die Freiheit zu demonstrieren.

Präsident Truman lehnte es auf einer Pressekonferenz ab, sich zu den Berichten zu äußern, daß die amerikanischen Truppen in Berlin bereit seien, als letztes Mittel gegen das Eindringen kommunistischer Demonstranten in Westberlin in den Pfingsttagen von ihren Waffen Gebrauch zu machen. Die amerikanische Zeitschrift Time berichtete, Außenminister Acheson habe in einem Gespräch erklärt, der größte Gefahrenpunkt der Welt sei Berlin.

John Foster Dulles, der republikanische Berater Außenminister Achesons, erklärte, die westlichen Alliierten hätten „noch keinen Weg gefunden, um dem deutschen Volk Sicherheit und die Gelegenheit zu friedlicher Verbindung zu anderen freien Völkern des Westens zu verschaffen.“

Für eine Politik der Versöhnung und Verständigung gegenüber Deutschland setzte sich Frankreichs Außenminister Schuman in Paris ein. Frankreich wolle „Deutschland einen Platz unter den Nationen anbieten und ihm auch einen Platz in dem neu konstruierten Europa geben“.

In einem Memorandum, das dem holländischen Parlament von Außenminister Stikker unterbreitet wurde, wird die Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland gefordert.

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Bundeskanzler Dr. Adenauer hat in einem Interview mit der in Mailand erscheinenden katholischen Tageszeitung Italia den staatlichen Zusammenschluß Deutschlands, Frankreichs und Italiens vorgeschlagen, da er keinen anderen Weg zur Überwindung der schweren Gefahren sehe, die heute Europas Existenz bedrohten.