Unsere in der Diplomatenschule in Speyer in der Ausbildung befindlichen Konsuln erfreuen sich bereits jetzt lebhafter Aufmerksamkeit im Ausland. Die Vorbereitungen für den neuen Start der neuen deutschen Diplomatie werden vielfach mit amüsiertem Interesse verfolgt, und es läßt sich nicht leugnen, daß der Ernst unserer Bemühungen in einem gewissen befremdlichen Gegensatz steht zu der Munterkeit, die sie draußen hervorrufen.

Nun ist für uns die ganze Angelegenheit aber nicht die Spur komisch, und die Männer, die sich tatsächlich freiwillig bereit erklärt haben, ohne die übliche Ausrüstung, ohne Autorität, ohne Macht und ohne good will den gepflegten Urwald der diplomatischen Welt aufzusuchen und sich radar- und waffenlos einen Pfad durch das Gestrüpp zu bahnen, verdienen unser aller Hochachtung. Die Mühsale, die sie erwarten, werden ihnen ja in der Schule der Konsuln erläutert worden sein.

Aber eine ausländische Zeitung machte sich die Mühe, eine Frage am Rande des Problems anzuschneiden. Die Ehefrauen der deutschen Konsuln – so ließ sich das Blatt aus Bonn berichten – (von der ersten Diplomatin in Ausbildung ganz abgesehen), würden mit ganz besonderer Sorgfalt ausgesucht werden, das heißt, eigentlich umgekehrt: die Konsuln seien vor allem auch im Hinblick auf ihre Frauen ausgesucht worden. Schön müßten sie sein – die Frauen – elegant, geistreich und geschickt. Das ist gar nicht so wenig auf einmal, und der ausländische Scherzbold erklärt denn auch, es sei verständlich, daß sich die Auswahl der künftigen deutschen Diplomaten so lange hinziehe...

In der Atmosphäre, in der unsere Konsuln im Ausland leben werden – mit ihren statistischen Aufzeichnungen, ihren Tabellen und ihren Kollegbüchern mit den Notizen über Industriepolitik, Finanzwesen, Recht, Wirtschaft, Zollfragen – werden sie mit Sicherheit darauf rechnen können, daß ihre treuherzig-sachlichen Bemerkungen über den deutschen Willen zum Wiederaufbau mit Gegenfragen nach Hedler, Remer und der deutschen Justiz beantwortet werden, mit liebenswürdigen Feststellungen über die spezifisch deutschen Unruhe-Tendenzen und mit fein abgewogenen Andeutungen hinsichtlich der Traditionen von Fünften Kolonnen. Da ist denn zu hoffen, daß unsere konsularischen Damen ihren Männern zu Hilfe eilen werden. Denn nicht nur die Verteidigung des Vaterlandes steht auf dem Spiel, sondern auch der Ruhm der Frauen. P. Chr. B.