Man fürchtet einen russischen Angriff, die rollenden Panzer der russischen Armeen. Deshalb will man Bollwerke schaffen von Europa bis Ostasien, von Deutschland bis Japan. Aber die beiden Eckpfeiler des Verteidigungswalles, Deutschland und Japan, fürchtet man auch. So sucht man überall nach Sicherheit, doch Sicherheit, die heute als gut gilt, ist, wie es scheint morgen schon wieder gefährdet. Fieberhaft werden neue Pläne geschmiedet und fieberhaft wieder verworfen. Nur auf eine Überlegung kommt man nicht, ob es nicht billiger, besser und ratsamer wäre, Deutschland und Japan gegenüber eine Politik des Vertrauens zu betreiben und sie dadurch in die antikommunistische Front fest einzugliedern. Darauf nämlich kommt es an, viel mehr als auf die Aufstellung schwer bewaffneten Armeen!

Die moderne Form des Krieges ist der Bürger krieg, dies zeigte sich in Spanien, China, Griechenland, Indochina und Palästina; mit Narren wie Hitler träumten noch von nationalistischen Eroberungen. Man sollte endlich einmal statt vom Kalten Krieg vom Welt-Bürgerkrieg reden, dann würde man die Lage richtig sehen, denn in der Tat ist er ja im Gange. Von der Sowjetunion wird er konsequent geführt. Im Bürgerkrieg gibt es keine Gegner, sondern nur Feinde, die vernichtet werden müssen. Nach diesem Satz handeln alle sowjetischen Länder. Jeder, der es dort wagt, im westlichen Sinne zu denken, wird für sein Leben eingesperrt oder umgebracht. Fünfte Kolonnen arbeiten in allen westlichen Ländern, um einen Umsturz vorzubereiten. Haben die drei Außenminister sich eigentlich überlegt, daß es für die westliche Hemisphäre dringend nötig ist, sich in diesen Welt-Bürgerkrieg aktiv einzuschalten? Auch in den sowjetischen Ländern könnten Fünfte Kolonnen entstehen. Wenn man allerdings alle politischen Flüchtlinge und Gegner der Kommunisten nach den USA abtransportiert, statt sie an den Grenzen ihrer Heimatländer ansässig zu machen und ihnen das zu geben, was sie zum Kampf brauchen, wird man mit dem Aufbau von Bürgerkriegstruppen nicht weit kommen.

Was aber soll es denn eigentlich heißen, wenn Acheson davon spricht, man müsse den Russen das Gesetz des Handelns entreißen, solange man sich vor der Erkenntnis drückt, daß wir uns mitten in einem Welt-Bürgerkrieg befinden, und wenn man sich fürchtet, dementsprechend zu handeln?

Man treibe eine Politik, die dieser Erkenntnis entspricht, dann wird der Mann auf der Straße Vertrauen zu seinen Außenministern gewinnen.

Richard Tüngel