Seit einem Jahr geistert die Geschichte der türkischen JEIA-Lumpen durch Westdeutschland. Sie begann in Wirklichkeit schon 1939, als Deutschland „für den Sieg“ 12 000 t Lumpen in der Türkei kaufen wollte. Damals schossen die USA den Vogel ab, weil das US-Kriegswirtschaftsministerium der Türkei ein günstigeres Angebot machen konnte. Aber man wollte in den Staaten die Lumpen in Wirklichkeit nicht haben; man wollte nur verhindern, daß sie nach Deutschland gingen. Und darum lagen sie auch 1949 noch unangetastet in türkischen Lagerhäusern;

Aus sehr undurchsichtigen Gründen kam die JEIA auf den „genialen“ Gedanken, für Westdeutschland diese 12 000 t Uniformfetzen, Kattunreste, Teppichfäden und Schneiderabfälle für einen Preis aufzukaufen, der niemals bekannt wurde. Im Sommer 1949 waren sie plötzlich in Hamburg. Hier aber sorgte man dafür, daß sie nach Lübeck gebracht wurden, um dort erneut-, eingelagert zu werden. Vielleicht hatte man in Hamburg die Sorge, mit diesen Türkenlumpen auch noch Seuchen zu „importieren“.

In der vergangenen Woche startete nun endlich, die Versteigerung der restlichen 43 000 Ballen. Es war ein schwieriges Unternehmen und dauerte, fünf gute Stunden. 9,30 DM je 100 kg wollte eine Hamburger Firma für diesen Lumpen-Nachlaß der JEIA zahlen. Das aber war dem JEIA-Vertreter nun doch zu wenig. Den Zuschlag erhielt ein Bremer Unternehmen für 12,25 DM je 100 kg. Das macht die runde Summe von 650 904 DM. Und trotzdem wird man dafür kaum die Frachtgebühren, die Lagerhauskosten und die Versteigerungsgelder begleichen können. Ein typisches JEIA-Geschäft? –e