Unter dem Motto „Mark muß Mark bleiben“ hat sich – auf Initiative des Freiwirtschaftsbundes übrigens – ein überparteilicher Ausschuß gebildet, der eine Art Volksbegehren „zur gesetzlichen Sicherung der D-Mark“ betreibt. Das Kernstück des „Begehrens“ ist eine Verpflichtung der Notenbank „den durchschnittlichen Preisstand auf die Dauer festzuhalten“, indem sie die umlaufende Notenmenge vermehrt oder vermindert, „je nachdem der Großhandelsindex Neigung zum Sinken oder zum Steigen hat“.

Das ist also, beim heiligen Ravenstein, so etwas wie die „automatische Sicherung“ des Preisstandes, oder des inneren „Geldwertes“, oder der „Währungsstabilität!“ Ein löbliches Ziel, gewiß ... nur daß die primitiv-quantitätstheoretische Meinung, man könne den gewünschten Effekt „einfach“ durch Drehen an der Notenschraube erzielen, ebenso naiv anmutet, wie die Index-Gläubigkeit, die sich in der Vorstellung dokumentiert, der wöchentlich errechnete Durchschnittsstand der „auf dem freien Markt gebildeten Warenpreise“ sei bereits ein hinreichend genauer Maßstab, nach dem sich die Entschlüsse der Notenbankleitung richten könnten. Wer wirklich wissen will, welche Wirtschaftsfakten wichtig wären, der mag sich die „Monatsberichte“ der Bank deutscher Länder vornehmen, deren in dankenswerter Ausführlichkeit gegebener Textteil die beste Informationsquelle darstellt, über die wir für die Wirtschaftspolitik heute verfügen. Sämtliche Fakten, die darin enthalten sind, muß die Notenbankleitung dauernd unter Beobachtung (zum Teil auch unter Kontrolle) halten, um ihre – selbstverständliche, aber durchaus nicht leichte – Pflicht erfüllen zu können, eine organische also keineswegs automatische! – Entwicklung des wirtschaftlichen Gesamtvorgang“ durch ein voll funktionierendes Geld- und Kreditsystem ermöglichen zu helfen. Und das auch gegen die Widerstände, die nicht bloß „auf der Wirtschaft“, sondern auch aus den Kreisen der Finanzminister (und der Politiker, bisweilen!) kommen. Ganz so simpel, daß man „bloß“ den Automatismus der Kreditschraube zu betätigen brauchte, wie es sich die index- und vorschriftengläubigen Initiatoren des Volksbegehrens ja wohl vorstellen, ist also das Tagewerk der dreizehn. Nothelfer des Zentralbankausschusses nun doch nicht! Erstaunlich ist auch der naive Glaube, daß ein solches Gesetz im Konfliktsfall mehr sei, ab bloß eine papierene Hürde, durch Interessentenwünsche nur zu leicht überwindbar.

Aber die Sache hat ihr Gutes. Sie lenkt von dem Vollbeschäftigungsrummel ab, stellt die Problematik der Währungspolitik zur Diskussion. Mit Freude kann man auch feststellen, daß dem „Komitee zur gesetzlichen Sicherung der D-Mark“ eine Reihe von sozialdemokratischen Politikern angehören, daß es da also noch Männer gibt, denen eine Verpflichtung, wie sie ihnen das eigene Gewissen vorschreibt – die Verpflichtung also, sich für die „innere Währungsstabilität einzusetzen – höher steht, als die Parteidisziplin und der Respekt vor der in Hannover dekretierten „Generallinie“. Denn diese „Generallinie“ lautet ja: Vollbeschäftigung durch Kreditausweitung, Vollbeschäftigung um jeden Preis – auch um den Preis einer Unstabilität des Preisstandes. „Natürlich“, so heißt es dabei immer wieder beruhigend, soll die Kreditspritze, und in ihrer Folge der Preisimpuls der Wirtschaftsbelebung, nicht etwa so stark sein, daß Sparer und Währung irgendwelchen Schaden erleiden könnten. Das will ja keiner aus dem Kreise jener Zauberlehrlinge der Vollbeschäftigung! Aber hoffentlich bleibt uns die Erfahrung erspart, daß sie eines Tages, wenn sie nämlich einmal, den Zauber loslassen durften, klagend eingestehen müßten: „Die ich rief, die Geist“ werd’ ich nicht mehr los!“ G. K.