Stuttgart, Ende April

Der Film „Manege frei!“, der unter Pierre Billons Regie gedreht wurde, und Grocks Come back begleitet, hat die Möglichkeit verpaßt, den einzig richtigen Aspekt nicht nur seines eigenen Lebens, sondern der heutigen Welt zu geben, nämlich den aus der wahren Perspektive des Clowns. Schwer zu sagen, was oder wer es verhindert hat! der Wunsch, einen lebenswahren Dokumentarstreifen zu drehen? Die Angst des Hauptdarstellers Grock, mit seiner menschlichen Individualität hinter seiner berühmten Maske zu verschwinden? Dies eben wäre seine und eines echten Spielfilms große Chance gewesen: Er hätte nicht auf die Chronik dieses Lebens verliebten müssen, nur auf eine gewisse biographische Behaglichkeit, die leider so .beliebt ist und uns hinter jedem geformten Leben nach biederen Details forschen läßt. Es hätten die großen Weltkonflikte, die hier nur mit besinnlichen Aperçus oder eingeblendeten Bildern von politischen Konferenzen bedacht werden, in der komischen Verkürzung, in der zeitlosen Spannung des närrischen Weisen zum aktuellen Unfug gezeigt werden können, der den Hintergrund auch dieses Lebens in der Manege bildet. So aber geht ein freundlicher, ernsthafter Privatmann bedächtig durch sein eigenes Leben, kommentiert sich selbst und – das ist ein wenig peinlich – wirbt für sich selbst. „Seht ihr – so war es und so ist der berühmte Grock!“. Der deutende Fingerzeig unterbricht den sinnbildlichen Zauber, den einige Bilder haben und den – ähnlich den „Kindern des Olymp“ – der ganze Film hätte haben sollen. K. St.