DIE ZEIT

Drei Pläne und kein Plan

Drei Außenminister werden sich in London treffen, von denen der eine – Schuman – einer parlamentarischen Regierung angehört, die keine Mehrheit im Parlament hat, und der nächste – Bevin – eine Regierung vertritt, die nahezu handlungsunfähig ist, weil ihre Mehrheit im Parlament nur sechs Stimmen beträgt.

Moskau in Dessau

Nun hat auch die Ostzone ihren ersten großen Schauprozeß gehabt; es war ein Hexenprozeß, bei dem die Hexe freilich den Vorsitz führte.

Was nach der Soforthilfe kommt

Offenbar kommt das Gespräch über den Lastenausgleich jetzt wieder in Gang. Wie man aus Bonn hört, sind die Koalitionsparteien entschlossen, in diesem Sommer noch – oder endlich, wie man auch sagen kann – das heiße Eisen anzufassen und die Materie gesetzesreif zu machen.

Elbe 17

General Robertson hat angeordnet, daß keine Sprengungen mehr am Hamburger Trockendock „Elbe 17“ vorgenommen werden. Zwar hätten die englischen wie die deutschen Seismographen in seltener Übereinstimmung bekundet, daß der Elbtunnel auch durch weitere Sprengungen wahrscheinlich nicht gefährdet werde, aber er, der Hohe Kommissar, sei nicht gewillt, überhaupt ein Risiko in dieser Hinsicht einzugehen.

Aufgelöste KP

Unter lautem Für und Wider des ganzen Landes hat Ministerpräsident Menzies sein Wahlversprechen eingelöst und vor dem australischen Parlament ein Gesetz eingebracht, das die Auflösung der Kommunistischen Partei Australiens verfügt.

Endlich Steuerreform

Selbst Optimisten aus Prinzip hätten nach dem – wenn auch nur vorläufigen – Veto der Hohen Kommission gegen das deutsche Steuerreformgesetz und nach all den bitterbösen Worten, die im Anschluß daran gesprochen worden sind, nicht zu hoffen gewagt, daß dieses Veto innerhalb von acht Tagen zurückgenommen werden würde.

DIE WOCHE

Die diesjährigen Feiern zum 1. Mai standen unter dem Eindruck des verschärften Ost-Westkonfliktes. Während in den Hauptstädten der westlichen Welt Polizei und Truppen bereitgestellt waren, um Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Nichtkommunisten auf ein Mindestmaß zu beschränken, nahm auf dem festlich geschmückten Roten Platz in Moskau Marschall Stalin, umgeben von den Führern der kommunistischen Partei und hohen Offizieren aller Waffengattungen eine große militärische Maiparade ab.

Ernst Friedlaender antwortet:

Die beiden britischen Erwiderungen zeigen mit bedrückender Deutlichkeit, wie weit wir noch von einer britisch-deutschen Verständigung entfernt sind.

Tragödie des Mittelmaßes

Die Berührung mit der uns lange versperrten amerikanischen Bühnenliteratur hat nach dem Kriege zu einem merkwürdigen Ergebnis geführt, Durch unsere Öffnung für das Welttheater glaubten wir, „nachzuholen“, begegneten aber guten, alten Bekannten.

Lehrer und Forscher

Erst siebenundvierzig Jahre alt starb in Baden-Baden der in Breslau geborene Literaturhistoriker Werner Milch. Seine ersten Arbeiten galten der heimischen Literaturgeschichte, galten ihrer großen Zeit, dem Barock.

Abschied von Straube

Am 27. April starb in Leipzig D. Dr. Karl Straube, der langjährige Thomaskantor, dessen Wirken tiefe Spuren im deutschen Musikleben hinterlassen hat und dessen geistiger und menschlicher Rang ihm ein unvergleichliches Ansehen gewann.

Notizen

In Hamburg fand, eine interne Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerrecht statt, auf der Professor Schätze! (Mainz) über die „Annektion im Völkerrecht“, Dr.

Grocks Lebensbericht

Der Film „Manege frei!“, der unter Pierre Billons Regie gedreht wurde, und Grocks Come back begleitet, hat die Möglichkeit verpaßt, den einzig richtigen Aspekt nicht nur seines eigenen Lebens, sondern der heutigen Welt zu geben, nämlich den aus der wahren Perspektive des Clowns.

Schmuggel und Steuer

Rund 800 Millionen DM frißt der Schmuggel schätzungsweise im Jahr dem Fiskus an Zöllen und Steuern weg. Etwa sieben Achtel dieser Summe gehen allein durch den Kaffee- und Zigaretten-Schmuggel verloren, der Rest durch den Schmuggel mit Tee, Schokolade, Nylonstrümpfen und dergleichen.

Der Leiter des deutschen Auswärtigen Dienstes

Deutschlands Außenpolitik soll demnächst diplomatische Form annehmen. Das ist nur gut so. Denn die „Gespräche an französischen Kaminen“, die Interviews des Bundeskanzlers oder wie sonst immer die deutschen Ausflüge in die internationale Politik sich darstellten, all dies war nicht dazu angetan, das Ansehen der Bundesrepublik im Ausland zu steigern.

Zwei Demonstrationen – zwei Freiheiten

Um die Siegessäule im Berliner Tiergarten war ein breites schwarz-goldenes Band geschlungen. Nicht mehr der Nachkriegs-Streit, ob Trikolore oder Rot, galt für den 1.

Konkurrenz ...

Das Hamburger Koncertleben ruht hinsichtlich seiner repräsentativen Bedeutung seit dem Kriege auf zwei Pfeilern: den beiden großen Serien der Sinfoniekonzerte der Philharmonie und des Rundfunks.

Sätze von Gottfried Benn

Wenn der Mann danach ist, dann kann der erste Vers aus dem Kursbuch sein und der zweite eine Gesangbuchstrophe und der dritte ein Mikoschwitz und das Ganze ist doch ein Gedicht.

Protektion

Es ist soweit gekommen, daß Protektion ganz allgemein mit Korruption verwechselt wird. In der Vorstellungswelt der Menschen von heute bedeutet Protektion etwa: einen Unfähigen in einem Amte unterbringen, das ihm nicht zukommt.

Die Macht der Jury

Aufgefordert, ein Bild zu senden, hat Schmidt-Rottluffeines gesandt, doch hat die Jury der "Großen Frühjahrs-Ausstellung" zu Hannover es zurückgewiesen.

Filme, auf die wir warten

Es wenden viele Filme öffentlich gezeigt, die zu sehen kein Gewinn ist. Viele kommen aus dem Ausland. Es gibt andere, die jeder sehen sollte und die den Weg in deutsche Kinos nicht finden.

Der große Ungemütliche

Solange die Dichter noch leben, sollte man es tunlichst vermeiden, Absätze zur Deutung ihrer Produktion zu entwerfen oder gar zu veröffentlichen.

Ein Paar blaue Sandaletten

Sie hätten eine Stunde früher kommen sollen, mein Herr“, sagte Arturo, während er eine leere Staffelei gegen das Fenster rückte und eines seiner Aquarelle gegen das Holzgestell lehnte.

Ein literarisches Aquarium

Männer, die eine Fachwissenschaft, insbesondere eine Naturwissenschaft beherrschen und gleichzeitig Geist haben und gut schreiben können, sind selten.

Vom Barett zur Uniform

Howard Becker, ein amerikanischer Professor, hat ein Buch über die deutsche Jugendbewegung geschrieben. „Vom Barette schwankt die Feder“ nennt der Gelehrte aus Wisconsin, ehemals Assistent des deutschen Soziologen Leopold von Wiese und des Philosophen Max Scheler, Angehöriger mehrere deutscher Jugendgruppen in den zwanziger Jahren, sein mit tiefer Sachkenntnis und echter Erschütterung über das Schicksal der deutschen Jugend geschriebenes Werk (in deutscher Sprache erschienen im Verlag „Der Greif“ Wiesbaden).

Sichtbare Welt

Anläßlich der Ausstellung der Künstler des ‚Blauen Reiter‘ im Münchener Haus der Kunst ist der Name einer Malerin nach langer Zeit des Schweigens wieder an die breite Öffentlichkeit gekommen: der Name Gabriele Münters.

Es boomt

Vielleicht ist es nur ein geringer konjunktureller Rückgang, wenn Frankreichs Roheisenerzeugung im März auf 475 000 t (Februar 634 000 t) und die Rohstahlproduktion auf 506 000 t (Februar 717 000 t) zurückgegangen ist.

Von Barbarossa bis François-Poncet

Hamburg begeht am 6. Mai seinen Übersee-Tag auf dem, neben Bürgermeister Brauer und seinem Amtsvorgänger Rudolf H. Petersen, als Gäste von außerhalb Vizekanzler Blücher und der Hohe Kommissar François-Poncet sprechen werden, Das ist, für den ersten Start, ein ausgezeichnetes Team – und tatsächlich handelt es sich ja, was außerhalb Hamburgs kaum bekannt sein dürfte, um ein neues Beginnen.

Ein wenig zu simpel

Unter dem Motto „Mark muß Mark bleiben“ hat sich – auf Initiative des Freiwirtschaftsbundes übrigens – ein überparteilicher Ausschuß gebildet, der eine Art Volksbegehren „zur gesetzlichen Sicherung der D-Mark“ betreibt.

Finden Sie, daß mein Kunde sich richtig verhält?

Die „Zeit“ möchte mit den folgenden – stark kritisch gehaltenen – Ausführungen, die uns von einem Bankpraktiker zugegangen sind, eine Diskussion über die Fragen der Zahlungsmoral einleiten, die etwa unter dem Motto stehen könnte: „Einden Sie, daß sich Ihre Kundschaft richtig verhält? Es geht uns also darum, einmal festzustellen, welche Zahlungsziele und -modalitäten in den einzelnen Branchen heute als üblich und berechtigt angesehen werden können, und welche Entwicklungen als Mißstände zu bezeichnen sind.

Nähseide - ganz billig!

Beste Nähseide, besser als jede deutsche Ware! Die Zollfahndung hat ausländisches, illegales Gut beschlagnahmt, und der deutsche Käufer soll nun den Nutzen davon haben – bei mir kosten 12 Röllchen Nähseide nur 50 Deutsche Pfennige! Nur 50 Pfennige!“ – So schrie der ambulante Händler „an der Straßenecke“ einer westdeutschen Stadt.

Man sucht Kontakt

Die amerikanische Handelskammer in Deutschland wird aktiv. In Berlin, Frankfurt, Bremen und Hamburg sucht man Kontakt, findet ihn aber nur allmählich.

Unsere Hausfrauen vor übervollen Läden

Um einmal, entgegen der üblichen Folge, mit dem Käse zu beginnen: da schreibt Ludendorff in seinen Lebenserinnerungen, er habe, noch als Premierleutnant, zum Abendessen gewöhnlich einen Mainzer Handkäse gehabt, und dazu eine Flasche Bier getrunken .

Ein Lumpen-Nachlaß

Seit einem Jahr geistert die Geschichte der türkischen JEIA-Lumpen durch Westdeutschland. Sie begann in Wirklichkeit schon 1939, als Deutschland „für den Sieg“ 12 000 t Lumpen in der Türkei kaufen wollte.

Kaffee vor Gericht

Von der Münchner Kaffee- und Tee-Großhandlang Schulze & Co. GmbH, werden gegen den bayerischen Staat Schadenersatzansprüche geltend gemacht.

Englands Gegenwert-Rechnung

Deutschland leidet unter Kapital- und Gütermangel. Es kommt also darauf an, daß die deutschen Einzahlungen für Marshall-Plan-Güter wieder in die Wirtschaft zurückfließen.

Neuerscheinungen für die Wirtschaft

Man muß dem Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsarchivs dankbar sein, gerade in diesen Tagen die spröde Materie von Aufbau, Ziel und Technik staatlicher Außenhandelsförderung so plastisch behandelt zu haben.

Finebel findet nicht statt

Oktober 1949 begannen die Besprechungen zwischen Frankreich, Italien und Benelux. Man wollte wirtschaftlich enger zusammenarbeiten.

Die Frauen und die Kunst

Die früher so eifrig umstrittene Frage, ob „die“ Frauen in der Kunst mit „den“ Männern wetteifern könnten, ist durch den Verlauf der Ereignisse in den letzten Jahrzehnten überflüssig geworden.

Diplomatische Ehen

Unsere in der Diplomatenschule in Speyer in der Ausbildung befindlichen Konsuln erfreuen sich bereits jetzt lebhafter Aufmerksamkeit im Ausland.

Sie überwand Vorurteile

Auf Fürstenthronen und in der Nähe von Monarchen oder von Männern in machtvollen Stellungen haben Frauen von Beginn der Menschheitsgeschichte an direkten und indirekten Einfluß auf das öffentliche Leben gehabt.

Die Harmonie des Essens

Daß das Essen nicht einfach nur der Regeneration des Körpers dient, ist eine alte Weisheit. Man könnte einen Schritt weiter gehen, um dem Essen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Menschen in der Landschaft

Hamburg ist eine schöne Stadt, sie ist es durch die besondere Farbigkeit ihrer schweren Luft; aber auch durch ihre großzügige Verbindung großstädtischer Architektur mit landschaftlichen Reizen, die sie vor allem Elbe und Alster verdankt.

Zwischendurch:: Zahnziehen im Saarland

Hannes und Jäb, zwei saarländische Originale, begegnen sich auf der Straße. Hannes hat eine schwere Wunde an der Nase. Frage des Jäb: „Was hast du denn mit deiner Nas’ gemacht?“ Hannes: „Ich hab’ mir einen Zahn ziehen lassen.

Glockenwettstreit zu Limburg

Im Herbst dieses Jahres wenden voraussichtlich in Limburg an der Lahn in dem Garten neben dem Dom etwa fünfzig Kirchenglocken um die Ehre streiten, den schönsten Klang zu geben.

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