Das Hamburger Koncertleben ruht hinsichtlich seiner repräsentativen Bedeutung seit dem Kriege auf zwei Pfeilern: den beiden großen Serien der Sinfoniekonzerte der Philharmonie und des Rundfunks. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die öffentlichen Abende des „Großen Sinfonie-Orchesters des NWDR“ sehr bald den traditionellen Veranstaltungen der Philharmonie eine respektable Konkurrenz bedeuteten; um so mehr, da der Dirigent Hans Schmidt-Isserstedt nicht nur als hervorragender Erzieher eines erstklassigen Instrumentalkörpers, sondern auch als zielbewußter Weiber für zeitgenössisches Schaffen einen großen Teil des öffentlichen Interesses auf sich zu ziehen vermochte. Die Philharmonie sah daher in dieser Konkurrent schon lange eine Gefahr und erhob mehrfach Einspruch gegen die öffentliche Konzerttätigkeit dieses Orchesters, dessen Wirkungsbereich sie gern auf den Sendesaal beschränkt gesehen hätte. Sie hat in diesem Kampfe jetzt, einen kleinen Vorteil errungen, indem für die kommende Spielzeit die Zahl der Sinfoniekonzerte des Rundfunkorchesters in der Musikhalle auf neun (bisher zwölf) herabgesetzt wurde. Ein Erfolg, den wohl kaum nur das ebenso seltsame wie bemerkenswerte Argument, daß der Besuch der Philharmonischen Konzerte unter dem der Konkurrenz zu leiden habe, bewirkt haben könnte, wenn nicht auch innerhalb des NWDR eine gewisse Strömung bestände, die sich gegen die Qualitätsansprüche Schmidt-Isserstedts richtet.

Angesichts dieser Situation ist es an der Zeit, offen auszusprechen, daß nicht nur die unbeschränkte Erhaltung der öffentlichen Konzerte des „Großen Sinfonie-Orchesters des NWDR“ durchaus zu wünschen ist, – insbesondere gegenüber einer solchen Begründung ihrer (einseitigen) „Unerwünschtheit“; – sondern daß auch das sattsam bekannte Bild des Musikprogramms im NWDR genug Anlaß bietet, die Autorität eines Musikers vom Format Schmidt-Isserstedts eher erheblich ausgedehnt als geschmälert sehen zu mögen. W–h