Von Hermann Koenig

Hamburg ist eine schöne Stadt, sie ist es durch die besondere Farbigkeit ihrer schweren Luft; aber auch durch ihre großzügige Verbindung großstädtischer Architektur mit landschaftlichen Reizen, die sie vor allem Elbe und Alster verdankt. Wie auch in anderen Städten ist man in Hamburg bemüht, die durch so lange Kriegs jahre vernachlässigten Parks und gärtnerischen Anlagen wiederherzustellen und zu verschönern. Darüber hinaus plant der Senat für 1953 eine Deutsche Gartenbauausstellung, eingedenk des bedeutenden Erfolges der großen deutschen Gartenbauausstellung in Hamburg im Jahre 1897, die durch die geschickte formale Auswertung örtlicher Landschaftsschönheiten ihr besonderes Gepräge erhielt und vielen in- und ausländischen Besuchern die Hansestadt von ihrer schönsten Seite zeigte.

Wir wissen aus den Berichten über die gewaltigen Parkschöpfungen der ägyptischen und assyrischen Könige, daß die Parkanlagen bei feindlichen Einbrüchen in erster Linie der Zerstörung anheimfielen in der Erkenntnis, daß darnieder Gegner am empfindlichsten getroffen wurde, da die Wiederherstellung vernichteter Bauwerke nur eine Frage sinnvoll eingesetzter und zeitlich meßbarer Arbeitskraft bedeutete, wohingegen der einmal vernichtete alte Baumbestand des Zeitmaßes vieler Generationen bedurfte, um wieder zu jener schattenspendenden Parklandschaft zu werden, ohne die auch schon vor Jahrtausenden eine Lebenskultur nicht denkbar war. Welche Tragödie das Sterben eines großen Volksparkes darstellt, zeigt die Vernichtung des Berliner Tiergartens. Hier wurden, teils durch die Kriegsereignisse, teils infolge schwerster Volksnot im Winter 1947 materielle und vor allem auch Gemütswerte vernichtet, die im Ablauf vieler Jahrzehnte nicht wieder zu ersetzen sind.

Diese Tragik ist Hamburg erspart geblieben, und es darf sich heute rühmen, in seinen durch die gewaltigen Landschaftskomponenten Alster und Elbe geformten Parkanlagen mit herrlichem altem und kaum gemindertem Baumbestand einen Schatz von kaum meßbarem Wert behalten zu haben. Sind schon die Begriffe „Hamburg und Alster“ untrennbar, so bleibt das farbenprächtige und, je nach Tageszeit und Witterung, immer wechselnde Landschaftsbild der Außenalster einem jeden, der Hamburg besuchte, unvergeßlich. Welcher Steigerung eine Landschaft mit solch günstigen Aspekten, wie sie das große Außenalsterbecken bietet, fähig ist, wird erst mit der beabsichtigten Anlage eines etwa 70 Morgen großen Alsterparks am Harvestehude! Weg offenbar werden. Was sich hier durch Freilegung der alten, schönen Bäume und Schaffung ausgedehnter, bis an das Alsterufer hinabreichender Rasenflächen offenbaren wird, dürfte zunächst den überraschenden Eindruck eines gewaltigen Theaterprospektes hervorrufen.

Der im Norden der Stadt liegende, von Hamburgs unvergeßlichem Oberbaudirektor Schumacher geschaffene Stadtpark bietet durch die totale Vernichtung umfangreicher Baulichkeiten noch schmerzliche Bilder der Zerstörung, die hier naturgemäß lauter in Erscheinung treten, weil in diesem Architekturpark das Bauwerk im Parkbild dominiert. Dieser 200 Hektar große Hamburger Stadtpark, als Park der Massen erdacht und geschaffen, offenbart seinen eigentlichen Charakter, wenn die großen Rasen- und Wasserflächen von freudig genießenden Menschen belebt sind, oder auch, wenn beim Stadtparkrennen die Motoren donnern, und in dem Park Melodien zum Erklingen bringen, die Großstädtern aus dem Straßenverkehr zur Genüge vertraut sind.

Über Hamburgs Grenzen hinaus bekannt ist der im Herzen der Stadt liegende Pflanzenschau- und Ausstellungsgarten „Planten un Blomen“. Die sich hier noch drängende Fülle von Motiven dürfte durch die dereinstige Vereinigung mit dem Botanischen Garten und ehemaligen Wallgelände – den alten Hamburgern als Ausstellungsgelände der seinerzeit geradezu sensationellen großen Gartenbauausstellung Hamburg 1897 noch in Erinnerung – erheblich an Wert gewinnen.

Neben diesen mehr oder weniger unter dem landschaftlichen Wirkungsbereich der Alster stehenden Parks werden, die im Westen von Hamburg liegenden ausgedehnten Parkanlagen von dem großen Landschaftsraum des Elbstromgebietes beeinflußt. Bis auf den Altonaer Volkspark, jene ebenso schöne wie eigenartige Parkschöpfung, die zwischen 1920 und 1930 in einer Ausdehnung von 125 Hektar geschaffen wurde. In wohldurchdachter Absicht sind hier die großen Sportanlagen, nicht in den Park, sondern seitlich anschließend verlegt worden. Der Park selbst ist für jeden Autoverkehr gesperrt, wodurch es möglich wurde, Parkszenerien von einer Verinnerlichung zu schaffen, die nicht nur den Naturfreund immer wieder wohltuend umfangen und ergreifen, sondern auch zu jedem erholungssuchenden Parkbesucher sprechen. Auffallend ist in dem Schönheitswald in Altona der Mangel an Parkplastik, so daß sich für die Bildhauer in Zukunft hier noch weite Möglichkeiten erhoffen lassen. Ein besonders glücklicher Gedanke war es, in diesen Volkspark einen Schulgarten einzugliedern, der mit seinen 100 Morgen nicht nur der größte, sondern sicher auch der schönste Schulgarten Deutschlands ist.