Für so manche Stadt Westdeutschlands gibt Hannover, die Landeshauptstadt an der Leine, heute ein nachnahmenswerts Beispiel ab. Vieles hat die Stadt in den rückliegenden Kriegsjahren verloren. Vieles davon kann nie wieder ersetzt werden. Aber mit Mut und Entschlossenheit ging sie an die Arbeit, die Fülle der Kriegsschaden recht schnell zu verringern. Dazu gehört der Neubau großer Wohnblocks und der Ausbau von Ruinengrundstücken. Dazu gehört der Wiederaufbau der Oper und die einzigartige Idee seiner Finanzierung durch den nun schon berühmten „Bau- und Ausstellungszaun“. Nicht vergessen werden darf aber ebenfalls der Wiederaufbau der Stadthalle, des Rathauses, der Kirchen, die Erhaltung der aus dem Kriegssturm übriggebliebenen alten Fachwerkhäuser und die Neuschaffung des Wilhelm-Busch-Museums.

Große Hoffnungen setzt man jetzt in Rathaus von Hannover auf den geplanten Bau der Autobahn und ebenfalls auf den Anschluß an den innerdeutschen und damit internationalen Luftverkehr.

Natürlich gehört auch der Bau der Autostraße und der Straßenbahnlinie zum Messegelände von Laatzen zu den positiven Punkten, die Hannover, diese rührige „Großstadt im Grünen“, angepackt hat. Man kann es daher verstehen, daß Stadtväter und Einwohner (und – last not least – die Besucher) jenen britischen Bauten im „Nachkriegs-Rundbaustil“ kein Verständnis entgegenbringen. Sie erheben sich im Form häßlicher Nissenhütten auf dem Georgsplatz und am Maschsee, die Landschaft Georgsplatz Dabei taucht die Frage auf, wann wohl endlich bei den britischen Dienststellen Einigkeit darüber herrschen wird, daß diese stillosen Nissenhütten aus Hannovers Stadtzentrum zu verschwinden haben.

Zu den Erfolgen an Wiederaufbau, die ein Verdienst der sehr beweglichen Stadtverwaltung sind, treten aber auch Erfolge auf wirtschaftlichem Gebiet stark in Erscheinung. Davon konnte man sich in diesen Tagen vor dem Beginn der Technischen Messe sehr leicht überzeugen. Die Pelikan-Werke Günther Wagner, einer der führenden Betriebe der Stadt, boten die Gelegenheit, einmal einen Einblick in die Herstellungsstätte ihrer Erzeugnisse zu nehmen.

Das Unternehmen beschäftigt 2400 Arbeitnehmer, und produziert täglich 1000 Füllhalter neben zahlreichen weiteren Artikeln (Füllstifte, Tinten, Farbbänder, Farben, Pinsel und u. a. Zeichenutensilien). Mit besonderer Freude kann das Werk die günstige Entwicklung des Exports nach Südamerika, und der Türkei feststellen. Er erreichte in den ersten vier Monaten dieses Jahres bereits die Höhe des Gesamtexports des Vorjahres. Diese Leistung ist vor allem deshalb anerkennenswert, weil die 21 Auslandsbetriebe des Pelikan-Werkes enteignet wurden.

Auch Deutschlands größtes Gummiwerk, die Continental-Gummi-Werke AG, benutzte die bevorstehenden Messetage zur Bekanntgabe einer Reihe von überraschenden Neuerungen der Produktion. Leider kann man bei diesem Unternehmen von einer günstigen Exportentwicklung noch nicht sprechen, denn bisher ist eine positive Auswirkung der Liberalisierung auf den westdeutschen Kautschukwaren-Export noch nicht zu spüren. Lediglich gegenüber den Niederlanden, Schweden und Norwegen machen sich Anzeichen einer Besserung bemerkbar.

Aber auch Continental wartete mit positiven Ergebnissen auf: es sind dieErgebnisse einer jahrelangen Forschungsarbeit. Das neue Continental-Produktionsprogramm enthält für Schwerlastwagen, Schnell- und Großomnibusse den Stahlcord-Reifen, dessen besondere Überlegenheit sich bei erhöhten Geschwindigkeiten zeigt. Für den Pkw wurde der SKS-Reifen (bessere Schnelligkeit, Kilometerleistung und Stehfestigkeit) entwickelt und für die Landwirtschaft der Traktorreifen T 4, der die Arbeitsleistung des Bauern bei gleichem Treibstoffverbrauch um etwa ein Drittel der Tagesleistung erhöht. Die besondere Überraschung dieser neuen Produktionsserie stellt aber der „pannensichere“, Autoschlauch dar. Er enthält in seinem Innern mehrere zähe Schichten, die, falls Fremdkörper die Schlauchwandung verletzen, infolge des Luftdrucks das entstandene Loch abdichten. Zunächst werden allerdings erst die Fahrer von Personenkraftwagen in den Genuß dieser deutschen Erfindung kommen ... ww.