Sich irren und dennoch seinem Inneren weiter Glauben schenken müssen: – das ist der Mensch, und jenseits von Sieg und Niederlage beginnt sein Ruhm.

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Allein und unverbittert in die Stunden des Dunkelwerdens sehen, dem will ich die Krone des Lebens geben.

Schriftsteller, die ihrem Weltbild sprachlich nicht gewachsen sind, nennt man in Deutschland Seher.

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Wenn der Mann danach ist, dann kann der erste Vers aus dem Kursbuch sein und der zweite eine Gesangbuchstrophe und der dritte ein Mikoschwitz und das Ganze ist doch ein Gedicht. Und wenn der Mann nicht danach ist, dann können die Ehegatten ihre Frauen und die Mütter ihre Söhne und die Enkel ihre Großtanten im Lehnstuhl oder im Abendfrieden vielstrophig anreimen, und selbst der Laie wird bald merken, daß das keine Lyrik mehr ist.

(Aus „Doppelleben“)