Salzgitter. Die britische Demontagepolitik in Salzgitter wurde kürzlich von Außenminister Bein im Unterhaus mit den Worten verteidigt: „Wir sollten uns nur daran erinnern, wofür die Reichswerke gebaut wurden, und wer sie gebaut hat...“ Über das „wer“ gaben jetzt die „Blätter Internationaler Sozialisten“ Auskunft. Sie erinnern daran, daß auf den Baustellen der Reichswerke einst überall Schilder herumgehangen hätten, auf denen stand: Brassert & Co., Liverpool. – Zur selben Zeit meldete die sowjetamtliche „Tägliche Rundschau“ triumphierend, daß in Salzgitter weiter demontiert werde. Und zwar gegenwärtig „die Aufbereitungsanlage (Renn-Anlage) für die eisenarmen Salzgitter-Erze“. Das Blatt vergaß zu erwähnet, daß die Werke als Reparationsleistungen in die Sowjetunion abtransportiert wurden.

Meisterschaft. Horch-Zwickau wurde nach einem 5 : 1-Sieg über Dresden-Friedrichstadt diesjähriger Fußballmeister der Sowjetzone. Der Verlierer, der Nachfahre des ehemaligen deutschen Fußballmeisters Dresdner SC, hatte es monatelang abgelehnt, sich auf kommunistischen „Wunsch“ hin in eine Betriebssportgemeinschaft umzuwandeln. Daraufhin wurde eine Woche vor dem Entscheidungsspiel der Unparteiische Schmidt zu seinem Vorgesetzten zitiert. Befehl: „Sollte Dresden-Friedrichstadt gegen Spielende in Führung liegen, sind Elfmeter zu verhängen.“ Erfolg: Die schon vor Anpfiff des Spiels ausgefertigte Meisterschaftsurkunde konnte Horch-Zwickau ausgehändigt werden.

Aschukinskaja. Das sowjetische Witzblatt „Krokodil“ veröffentlichte folgenden Leserbrief: „Verehrtes Krokodil. – Entschuldige, daß wir Dich mit unserem Brief behelligen. Wir würden lieber persönlich zu Dir kommen, doch das ist nicht so einfach. Straßen haben wir keine, und es ist gar nicht leicht, hier herauszukommen. Schreiben wollen wir Dir aus folgendem Grunde: Wir wollen gerne erfahren, was in der Welt vor sich geht, denn Radio haben wir auch nicht. Wenn es Dir keine zu große Mühe macht, versuch doch bitte, vor allem zu erfahren, ob die Organisation „Mosobleelektro“ noch existiert. Diese Organisation hat schon längst und zu wiederholten Malen versprochen, uns mit Elektrizität zu versehen. Sie hat bei uns sogar 120 Rubel Gebühren pro Person erhoben, verschwand aber dann auf Nimmerwiedersehen – und mit ihr unser Geld. Wir wollten Dir noch einiges mehr berichten, müssen aber leider unseren Brief jetzt schließen; die Dämmerung ist hereingebrochen, und wir haben kein Licht. Wir würden natürlich gerne auch bei Petroleumlampenschein schreiben, aber die Sache ist so, daß wir hier keine Lampenzylinder kaufen können. Sie werden aus einem durchaus einleuchtenden Grunde nicht geführt. Wozu braucht man Lampenzylinder, wenn es doch kein Petroleum gibt? Wir hoffen, von Dir recht bald Antwort zu erhalten, denn wir leben nichts wie Du vielleicht annehmen könntest, hinter den berühmten sieben Bergen, sondern um einiges näher, nämlich ganze fünfzig Kilometer von Moskau entfernt. Man kann uns sozusagen mit der Hand erreichen. Schade nur, daß man vorläufig in der Dunkelheit die Hand nicht sehen kann. – Die Leute aus Aschukinskaja.“

Satzung. Der wegen Kollaboration zu lebenslänglicher Festung verurteilte „älteste Häftling der Welt“, der ehemalige Staatschef von Vichy-Frankreich, Marschall Pétain, beging in seinem Gefängnis auf der He d’Yeu seinen 94. Geburtstag. Eine Schweizer Zeitung veröffentlichte anläßlich dieses Tages eine bisher unbekannt gebliebene Episode aus der Regierungszeit des Greises: In Vichy gab es denOrden der unbedingten Pétain-Anhänger, die Francisque, Eine glühende Verehrerin des Marschalls fragte einmal, warum es den Frauen, und insbesondere ihr nicht erlaubt sei, dem Orden beizutreten. Pétain bat sich von einem in der Nähe stehenden Offizier die Ausweiskarte der Francisque aus, reichte sie der Dame und sagte: „Lesen Sie, und Sie werden verstehen, Madame.“ In den Ordenssatzungen stand: „Die Mitglieder der Francisque geben sich dem Marschall Pétain mit Leib und Seele hin...“