Die Absatzkrise des deutschen Buchmar ktes hat mancherlei Ursachen, die nur schwer zu beseitigen sein werden: Schrumpfung des Absatzgebiets für deutsche Bücher (die Ostzone fällt als Käufer aus, ebenso der gesamte sowjetisch beherrschte Raum und manches andere Land), Minderung der Kaufkraft seit der Währungsreform, Überproduktion der Verlage. Dazu kommt eine andere Ursache, die nicht wirtschaftlicher oder politischer Natur ist: die Unsicherheit des Lesergeschmacks. Sie ist durch das verwirrende Angebot seit 1945 hervorgerufen worden und wirkt sich in einer Unberechenbarkeit der Nachfrage aus. Hier könnte für Klärung gesorgt werden durch beratende Kritik wie durch umsichtige Fassung der Verlagsprogramme, und in diesem Sinn möchte die „Woche des Buches 1950“ (7. bis 14. Mai) wirken, die erste seit Kriegsende. Ausstellungen, Lesungen und Vorträge werben überall in der Bundesrepublik und in Westberlin für die lebendige Beziehung zwischen Autor und Publikum – Vorarbeit für eine Zeit, wo die allgemeine Buchkrise zu beheben sein wird.