In Konsequenz ihrer erfolgreichen Fachmessen-Politik ist es der Kölner Messeleitung in enger Zusammenarbeit mit allen Zweigen der Photo- und Kinowirtschaft gelungen, die erste Photo- und Kinoausstellung nach dem Kriege vom 6. bis 14. Mai auf dem Kölner Messegelände durchzuführen. Mit dieser repräsentativen Veranstaltung wurde der Versuch unternommen, Messe und Ausstellung zu koppeln. Hierbei ergaben sich sowohl für die Messeaussteller wie auch für die Käufer gewisse Schwierigkeiten bei der Abwicklung des bisher erfolgreichen Messegeschäftes, was sich jedoch angesichts des allenthalben großen Zulaufes an ausschließlichen und gewünschten „Sehleuten“ nicht vermeiden ließ.

Das umfangreiche Angebot der gesamten westdeutschen Photo- und Kino Wirtschaft (einschließlich der Filmverleihfirmen) gestattet einen guten Überblick über die Leistungsfähigkeit der deutschen optischen und feinmechanischen Industrie. Die vor der Kölner Photomesse geäußerten Warnungen, die Möglichkeiten, nach vielen Jahren der Abschnürung vom Weltmarkt den neuen Anschluß schnell zu finden, nicht zu überschätzen, weil die USA ihre Auslandsumsätze in optischen und feinmechanischen Erzeugnissen in den letzten Jahren verdoppelt haben, erweisen sich offenbar in dem ursprünglichen Umfange als nicht ganz richtig.

Die technische Entwicklung der Phototechnik war in den letzten Jahren infolge der Unsicherseit im Patentwesen stark gehemmt. Jedenfalls vermittelt die Kölner Ausstellung den Eindruck, daß die deutschen Firmen erst jetzt nach einer gewissen – auch vom Bundeswirtschaftsminister Prof. Erhard bei der Eröffnung erwähnten – Konsolidierung im Patentwesen den Mut finden, mit neuen technischen Verbesserungen den Markt abzutasten. Viele in Köln von großen Firmen gezeigten neuen Geräte und Apparate sind erst gegen Ende dieses Jahres lieferbar, obgleich in verschiedenen Branchen (z. B. bei den wissenschaftlich-medizinischen Geräten) mit einem Ansteigen der Exportaufträge gerechnet wird. Im allgemeinen stellt man in Köln eine besondere Pflege der Farbphotographie fest, der man eine erfolgreiche Zukunft voraussagt. Man darf dieser Vermutung Glauben schenken, weil verschiedene große Werke beachtenswerte Neuerungen hinsichtlich der Vergrößerungsverfahren von Kleinfarbbildern zeigen. In Fachkreisen strebt man den Zustand an, daß auch der Amateur künftig Farbphotographien selbst herstellen und entwickeln kann.

Eine große Sorge bedrückt die westdeutsche Photo- und Kinowirtschaft: Die Photoindustrie und noch mehr die photochemische Industrie der Sowjetzone bringt ihre Erzeugnisse zu ausgesprochenen Dumpingpreisen illegal in Westdeutschland in den Handel. Man weist in diesem Zusammenhang darauf hin, es sei notwendig, diesen Erscheinungen bei der eventuellen Aufstellung eines Luxussteuerkatalogs größte Aufmerksamkeit zu schenken, besonders deswegen, weil man im Außenhandel auf die guten Erzeugnisse der deutschen Photo- und Kinotechnik unbedingt angewiesen sei. Dü.