Vi., Mailand, Anfang Mai

Am l. Mai hat die 28. Internationale Mailänder Mustermesse nach 20tägiger Dauer ihre Tore geschlossen. Die Beteiligung des In- und Auslandes war in diesem Jahre stärker als je zuvor. Entsprach dem auch die Geschäftstätigkeit? Welche allgemeinen Erkenntnisse hat diese größte europäische Mustermesse vermittelt, und welches ist im besonderen der Eindruck, den die deutschen Kaufleute und Aussteller aus der lombardischen Hauptstadt mitgenommen haben?

Was die Geschäftstätigkeit anbelangt, so ist zu sagen, daß die „Fiera di Milano“ immer mehr der Anbahnung von kommerziellen Verbindungen gedient hat als den unmittelbaren Abschlüssen. Dieses Moment war noch stärker zu spüren als in der ersten Nachkriegszeit, wo alle Welt nach Ware schrie. Ein weiterer Beweis für die wirtschaftliche Normalisierung ist die ins Auge fallende Verminderung des Qualitätsgefälles zwischen den ausstellenden Ländern. Das gilt ganz besonders für Westdeutschland. Wenn ein italienischer Freund – Fachmann übrigens – beim Betrachten einer deutschen Maschine sagte: „Questi Tedeschi sono proprio in gamba“ –, so war das ein sehr spontanes und überzeugtes Argument. Die deutsche Industrie hat, jedenfalls so weit sie in Mailand in Erscheinung trat, einen guten Eindruck hinterlassen und viel Terrain wiedergewonnen, das zwischen 1933 und 1948 verlorengegangen war.

Natürlich hat diese Entwicklung gerade in Italien, dessen industrielle Rüstung zum Teil sehr veraltet ist und mit überhöhten Kosten und Soziallasten produzieren muß, gewisse Befürchtungen ausgelöst. Dessen ist sich auch der deutsche Wirtschaftspartner bewußt, wie denn von deutscher Seite während der Messe verschiedentlich betont wurde, daß man durchaus bereit sei, den besonderen italienischen Schwierigkeiten in fairer Weise Rechnung zu tragen.

Das der Bundesrepublik zugebilligte Messe-Sonderkontingent von 2 Mill. $ konnte voll abgedeckt werden. Zwar schaffte die italienische Forderung nach höchstens 40 000 $ je Zollposition gewisse Schwierigkeiten, gab auf der anderen Seite aber die Möglichkeit einer sehr viel weitergehenden Streuung als im vorigen Jahre. Vom einzelnen Aussteller aus gesehen, mag das vielleicht ungerecht erschienen sein, gesamtwirtschaftlich betrachtet war es aber vorteilhaft, da so auch solche Waren Zutritt zum italienischen Markt gefunden haben, die sonst nicht zum Zuge gekommen wären.

So hat Mailand die deutschen Wünsche, in der menschlich so konzilianten Atmosphäre des Landes südlich der Alpen, in ihren wesentlichen Punkten durchaus erfüllt.