In der Landwirtschaft, die sonst gerne, um ihre wirtschaftliche Bedeutung zu betonen, auf den hohen Anteil ihrer Produktionsleistung am gesamten Sozialprodukt hinweist, besteht neuerdings die Neigung zu einer Art „Tiefstapelei“. Überall kann man lesen, daß die Agrarproduktion nur 11 v. H. des Volkseinkommens darstellt – so auch in den folgenden Darlegungen, die uns von befreundeter Seite aus dem Rheinland zugegangen sind.

Der bisherige Aufbringungsschlüssel für die Soforthilfe (auf die drei Gruppen land- und forstwirtschaftliches Vermögen, Grundvermögen und Betriebsvermögen) ist nicht richtig. Das Sollaufkommen der Land- und Forstwirtschaft beträgt nämlich etwa 20 v. H. des Gesamtsolls, während der Anteil der Land- und Forstwirtschaft am gesamten Sozialprodukt nur etwa 11 v. H. ausmacht.

Hierbei ist zu beachten, daß für den Vermögensertrag (neben anderen Faktoren) die Umsatzgeschwindigkeit mit ausschlaggebend ist. Die jährliche Umsatzgeschwindigkeit ist aber für die verschiedenen Wirtschaftszweige im Verhältnis zur Vermögenssubstanz recht unterschiedlich. Sie schwankt von 50 v. H. der Vermögenssubstanz und weniger bis zu 1000 v. H. und mehr. Ähnlich wie bei der Zinsbelastung wird die Aufbringung der Abgabe um so erträglicher, je höher die Umsatzgeschwindigkeit ist. Nimmt ein Unternehmer einen Betriebskredit zu 9–10 v. H. auf, so ist die Kreditlast weniger fühlbar, wenn der mit dem Kredit erzielte Umsatz mehrmals im Jahre erfolgt, als Wenn nur ein einmaliger Umsatz damit möglich ist, wie z. B. in der Landwirtschaft, Im Durchschnitt liegt die Verzinsung des landwirtschaftlichen Kapitals bei nur 4–5 vom Hundert.

Deswegen sollte die Abgabe vom Vermögen mit dem relativen Umsatz, d. h. mit dem Verhältnis des Umsatzes zur Vermögenssubstanz, mit der Umsatzgeschwindigkeit also, gekoppelt werden, und zwar derart, daß die Abgabe bei geringem Umsatz unter 3 v. H. (nach den bisherigen Soforthilfe-Sätzen) gesenkt wird und mit steigendem Umsatz größer wird. In allen Fällen sollte dabei die Abgabe, auf den Umsatz berechnet, 1–1,5 v. H. betragen. Der Umsatz steht bei allen Betrieben fest (Umsatzsteuererklärung). Die Verwaltungsarbeit der Finanzämter würde also gering bleiben, da nur noch das Verhältnis zum Betriebsvermögen zu ermitteln wäre. Da heute die Betriebsvermögen wieder aufgebaut werden, würde man wohl für den endgültigen Lastenausgleich alle drei oder fünf Jahre die Betriebsvermögen, über den 21. Juni, 1948 hinaus also, neu ermitteln müssen.

Der Vorschlag läuft im Endeffekt auf eine Sonderumsatzsteuer in Höhe von 1–1,5 v. H. hinaus. Diese würde sich nur dadurch gegenüber der gewöhnlichen Umsatzsteuer unterscheiden, daß sie nicht abzugsfähig wäre.

An Soforthilfeabgabe sollen 2,2 Mrd. DM im Jahre aufkommen. Das belastbare Vermögen wird vom Bundesfinanzministerium (nach Ausscheiden der Vermögen unter 3000 DM) auf 90 Mrd. DM geschätzt, wovon jedoch 4 Mrd. land- und forstwirtschaftliches Vermögen der öffentlichen Hand abzuziehen sind.

Setzt man nun für das land- und forstwirtschaftliche Vermögen, dessen Umsatzgeschwindigkeit im Durchschnitt unter dem Betrag des Einheitswertes liegt, eine Abgabe von 1 v. H. (bisher 2–3 v. H.) ein und für das Grundvermögen eine solche von 1 1/2 v. H. (bisher 2 v. H.), ferner für Betriebsvermögen von Industrie, Handwerk und Händel, dessen Umsatz im Durchschnitt aller Betriebe etwa drei- bis viermal umgeschlagen, wird, eine Belastung mit durchschnittlich 4 v. H. ein, und werden für alle übrigen Vermögen. 3 v.H. Abgabe erhoben, so ergibt sich, also nach der Neu-Verteilung der Lasten, das alte Aufkommen. Unter Berücksichtigung des Zuwachsens der Betriebsvermögen und des steigenden Umsatzes könnte während 15 Jahren wahrscheinlich mit mehr als 40 Mrd. DM gerechnet werden. Dies wäre fast die Hälfte des ursprünglichen Vermögens von 86 Mrd. DM nach dem Stande von 1948. Es würde damit das erreicht, was ursprünglich als Ziel des Lastenausgleichs angekommen worden War