Stummfilm mit politischem Text

In den Ostberliner Lichtspieltheatern ist in diesen Tagen einer der größten Filme der Stummfilmzeit als Tonfilm angelaufen. Vor 21 Jahren errang dieser Film im Capitol in Berlin in seiner deutschen Uraufführung einen ungeheuren Erfolg, heute ist er nun mit deutschen Sprechern zu einem Tonfilm synchronisiert worden. Aber konnte dieser Versuch gelingen? Die gesprochenen Worte sind überflüssige Erläuterung zu den Szenen des Stummfilms, ohne daß der Dialog harmonisch mit dem Bild verwachsen kann. Der Eindruck der Gesichter, der sparsamen Bewegungen und Gesten, ist beredter als ausgewalzte Worte. Unvergeßlich eine Szene, in der sich der Soldat, der einen Partisanen erschießen soll, beim Laden seines Gewehres abwendet, als ihn der vor ihm stehende Gefangene mit großen Augen ansieht.

„ ,Sturm über Asien ist das größte Filmepos das die Geschichte des Filmes kennt“, schrieb damals im Januar 1929 Herbert Ihering, einer der bedeutendsten Kritiker Berlins. Und wenn der Film auch sein Alter nicht verleugnen kann, so übt doch die beispielhafte Leistung seines Schöpfers Pudowkin heute noch eine starke Wirkung aus. Wenn man von der aufdringlichen politischen Tendenz absieht, die man dem Film durch die Textunterlegung gab, so kann er noch Vorbild sein für viele Regisseure, so wie er zu seiner Zeit völlig neue Wege der Regie zeigte. Man spürt noch in ihm die Sensation des Jahres 1929. H. K.