Antoine de Saint-Exupery hat ein Märchen hinterlassen, das er zwischen seinen Saharaflügen zu Hause seinen Kindern nach und nach erzählt haben mag und zu dem sich dann auch ganz wie von selbst eine Begleitung aus simplen, schönen Zeichnungen gesellte: „Der kleine Prinz“ (jetzt deutsch von Grete und Josef Leitgeb im Karl Rauch Verlag, Bad Salzig). Es berichtet von einem Wanderer aus dem Weltenraum, der seinen winzigen Planeten („Asteroid B 612“) verlassen hat, um zu erfahren, wie es anderswo zugeht und wie das Weltgetriebe zusammenhängt. Das Technische bleibt bei diesem Spiel der Phantasie ganz ausgeschaltet, es ist wesenlos angesichts der viel ernsthafteren Sorgen, die sich der kleine Sternenbummler macht: welchen Zweck die Dornen in der Rose haben, weshalb so viele Menschen sich schämen oder wie weit der Gehorsam reichen kann. So ist ein Gebilde von höchster Bewußtheit entstanden, das zugleich wieder tief an die Wurzeln der reinsten Naivität reicht – für Kinder ein Quell des freudigen Staunens, für Philosophen eine Vorschule: der heiteren Erkenntnis. Nur die „großen Leute“ werden es nicht verstehen. I. S.