Der Mißerfolg ist eine der Todsünden in Moskaus Herrschaftsbereich.Wer sich ihn zuschulden kommen läßt, zählt zu: den Verlorenen. Aus der KPD sind in den letzter, Monaten mehr als 30 000 Mitglieder ausgetreten. Über dem Parteichef Max Reimann schwebt daher der Bannstrahl des Titoismus. Doch scheint es ihm gelungen zu sein, seinen Stellvertreter, den Bundestagsabgeordneten und zweiten Partei Vorsitzenden Kurt Müller, als Sündenbock vorzuschieben. Müller wurde „als Titoist und Agent eines ausländischen Geheimdienstes entlarvt“ und aus der Partei ausgeschlossen. Inzwischen ist er, nachdem er sein Mandat in Bonn niedergelegt und seine Diäten abgehoben hatte, im SED-Parteihaus in Berlin verhaftet worden. Sein Schicksal dürfte damit besiegelt sein, gleichgültig, ob er nach Berlin ging, um zu Kreuze zu kriechen, wie die SED behauptet, ob er sich resigniert selbst, stellte, weil er zu der Freiheit, die er hätte .wählen können, kein Zutrauen hatte, oder ob er mit Moskauer Methoden an seinen Verhaftungsort gebracht wurde. Eine Frage bleibt offen: Wie ist es möglich, daß sich immer noch Dummköpfe finden, die freiwillig für eine Partei arbeiten, die jederzeit bereit ist, sie zu liquidieren? –i.