In London wurde die Konferenz der Außenminister der drei Westmächte beendet. In dem mit Spannung erwarteten Schlußkommuniqué über Deutschland heißtes, die Minister seien entschlossen, Deutschland die schrittweise Wiederaufnahme in die Gemeinschaft der freien Völker Europas zu ermöglichen. Es wurde die Bildung einer Arbeitsgruppe beschlossen, die das Besatzungsstatut überprüfen und Empfehlungen zur Beseitigung jener Schwierigkeiten ausarbeiten soll, die sich aus der Fortdauer des Kriegszustandes ergeben. In einer weiteren Erklärung betonten die Außenminister die feste Entschlossenheit ihrer Regierungen, ihre Rechte in Berlin zu wahren. Sie drückten ihre tiefe Beunruhigung über die sowjetische Ta^-Erklärung zur deutschen Kriegsgefangenenfrage aus.

Bundeskanzler Dr. Adenauer bezeichnete das Ergebnis von London als in jeder Richtung für Deutschland zufriedenstellend und als einen außerordentlichen Fortschritt. Der Führer der Opposition, Dr. Schumacher, war gegenteiliger Ansicht.

Zwei Tage vor Beginn der Londoner Außenministerkonferenz hatte der französische Außenminister Schuman einen Beschluß des französischen Ministerrats bekanntgegeben, der das Angebot zu einer weitgehenden Wirtschaftsunion zwischen Frankreich und Deutschland enthielt. Frankreich schlug darin vor, die gesamte französische und deutsche Kohle- und Stahlerzeugung einer gemeinsamen Oberbehörde zu unterstellen. Der Austausch von Kohle und Stahl sei von dem Moment der Errichtung jener Behörde an von allen Zollabgaben unter den Mitgliedsstaaten zu befreien Außenminister Schuman erklärte, daß durch die geplante Union vor allem die Erschließung des afrikanischen Kontinents in Angriff genommen werden könne.

Der Unionsplan des französischen Außenministers wurde von Bundeskanzler Dr. Adenauer begrüßt Er bezeichnete ihn als seinen Traum seit 25 Jahren. Auch das Echo aus Washington und den anderen Hauptstädten der westlichen Welt klang zustimmend; nur London zeigte sich skeptisch.

Bundeswirtschaftsminister Professor Dr. Erhard traf mit dem ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Paul Reynaud zu ersten Vorbesprechungen über den Zusammenschluß der deutsch-französischen Schwerindustrie zusammen. Der französische Planungskommissar Monnet wird in Bonn erwartet.

Anschließend an die Londoner Konferenz der Außenminister der drei Westmächte trat in der britischen Hauptstadt der Atlantische Rat, dem die Außenminister der zwölf Atlantikpaktstaaten angehören, zusammen. Auf einer mehrtägigen Konferenz sollen der Vorschlag zur Bildung einer neuen Atlantik pakt-Organisation und die Pläne für die künftige wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den USA, Kanada und Westeuropa behandelt werden.

Der Generalsekretär der UNO, Trygve Lie, setzte in Moskau seine Besprechungen über die mögliche Beendigung des Kalten Krieges fort. Er hatte Unterredungen mit Marschall Stalin, Molotow und dem sowjetischenAußenminister Wyschinski.