Die Forderung der Gewerkschaften nach Mitbestimmung, unter der Flagge Wirtschaftsdemokratie“, hat – Überspitzungen lösen nun einmal Gegenaktion aus – zwangsläufig zur Versteifung der Unternehmerhaltung führen müssen. Jene „Wirtschaftsdemokratie“, wie SPD und Gewerkschaften sie verstehen, ist nämlich nichts anderes als die Errichtung eines neuen Kollektivs mit Fernsteuerung; dieses Kollektiv aber ist so lange undurchführbar und ungesetzlich, so lange es noch Eigentum an den Produktionsmitteln gibt – diese Art Wirtschaftsdemokratie ist doch nichts weiter als Eigentumseinengung. Die Unternehmer, haben daher eine neue Front bezogen: Sie sehen sich in die Aufgabe gezwungen, in Deutschland schlechthin das Eigentum, die Unternehmerrechte also, verteidigen zu müssen. Die Verlegung der Gewerkschaftsarbeit aus der Sozialpolitik in die der „Wirtschaftspolitik mit ihrer Methode der Politisierung der Betriebe zwingt zu Gegenmaßnahmen. Das ist die neueste Auffassung aller Leiter der gewerblichen Wirtschaft, wie in Düsseldorf vom Präsidium des Bundesverbandes der Deutschen Industrie erklärt wurde.

Die Forderung nach paritätischer Mitbestimmung beruhe auf der völlig falschen und höchst bedenklichen Schlagwortwissenschaft von „Kapital und Arbeit als alleinigen Elementen der Wirtschaft“. Solche Formulierungen aus einer rein materialistischen Weltanschauung übersehen aber aus politischen Gründen völlig etwas Drittes, nämlich das Geistige, das wirtschaftlich Schöpferische, das nötig ist, damit Kapital und Arbeit überhaupt erst ökonomisch wirksam werden können: neben und über Kapital und Arbeit steht die unternehmerische Leistung. Sie ist das aktive Element ‚neben den zunächst passiv wartenden Faktoren Kapital und Arbeit im Betriebe. Grad und Richtung der Aktivität bestimmen die Funktionsfähigkeit des Kapitals und der Arbeit, somit die Produktivität. Die wirtschaftliche Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit zur politischen Mitbestimmung auf paritätischer Basis ausbauen und die unternehmerische Leistung mißachten zu wollen, bedeutet eine Kampfansage gegen Kapital und Arbeit.

Diesen Überlegungen haben die Spitzenverbände der deutschen industriellen und gewerblichen Wirtschaft, des Handels, der Banken und Versicherungen, des Handwerks, des Verkehrs und der Kammern, zu der jetzt vor einigen Tagen veröffentlichten einheitlichen Stellungnahme der Unternehmerschaft zum Mitbestimmungsrecht geführt. Diese Stellungnahme bejaht (auf dem überbetrieblichen Gebiet) die paritätische Mitwirkung in einem Bundeswirtschaftsrat, in Landwirtschaftsräten und in bezirklichen Wirtschaftskammern. Sie lehnt jeden Einbruch in die Industrie- und Handelskammern energisch ab. Auf der innerbetrieblichen Basis wird eine großzügige Mitwirkung der Arbeitnehmer bei der Bestimmung der wirtschaftlichen Angelegenheiten des Betriebes (Produktion, Betriebszweig, Umfing, Einschränkungen, Neubauten) und regelmäßige mindestens vierteljährliche Unterrichtungen der Betriebsräte durch die Betriebsführung, ferner weitgehende Mitbestimmung in allen sozialen und personellen Angelegenheiten des Betriebes vorgeschlagen: „Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Marktwirtschaft zu sichern, die persönlichen Freiheiten aller auszubauen, die Politisierung der Arbeitsstätten zu verhindern. Unser Sozialpartner ist, wenn er sich weiter von seinen legitimen Aufgaben entfernt, nicht mehr die Gewerkschaft, sondern der Arbeitnehmer selbst and sein Betriebsrat.“ RIt.