In den Vereinigten Staaten von Indonesien ist immer noch keine Ruhe eingezogen. Als die Republik im Dezember vorigen Jahres konstituiert wurde, bestand sie aus insgesamt 16 verschiedenen Landesteilen, deren 17 Millionen Ein wohner auf etwa 3000 Inseln leben. Die Holländer hatten dieses Kolonialreich von Batavia aus zentral verwaltet und erst in den letzten Jahren ihrer Herrschaft, als die Unabhängigkeitsbewegung eine für sie immer bedrohlichere Form annahm, nach dem Grundsatz „divide et impera“ eine Dezentralisation durchgeführt, die dann in dem Haager Vertrag die Grundlage für die föderalistische Republik der Vereinigten Staaten von Indonesien bildete.

Bei dieser Dezentralisation waren insbesondere diejenigen Gebiete zu Staaten erklärt worden, in denen die Holländer ihrer Herrschaft sicher zu sein glaubten. Hierzu gehörten die Inseln, auf denen die holländische Kolonialverwaltung die-Truppen für ihre Eingeborenenarmee, die KNIL, rekrutierte, deren Hauptkontingente von den Bewohnern von Celebes und den Süd-Molukken gestellt wurden. „Soldatsein“ in der KNIL war hier zu einem Beruf geworden, der in vielen Familien seit Generationen vom Vater auf die Söhne übergegangen war. Zwischen diesen Berufssoldaten und ihren holländischen Offizieren hatte sich eine besonderes Vertrauensverhältnis entwickelt, das seine schwerste Probe in den vier Jahre dauernden Kämpfen gegen die indonesischen Nationalisten bestand, die sich um die Revolutionäre von Djogiakarta geschart hatten. In dieser Zeit kämpften die 60 000 Angehörigen der KNIL Schulter an Schulter mit den 90 000 Mann starken Heimattruppen der Holländer. Die holländische Regierung hatte im Hinblick auf diese Zusammenhänge bei den Verhandlungen im Haag auf die föderalistische Grundlage des neuen Staates besonderen Wert gelegt in der Hoffnung, daß die KNIL stark genug sein würde, um erforderlichenfalls Einfluß auf die Bundesregierung in Jakarta zu nehmen.

Allein, die Hoffnungen, die gewisse holländische Kreise auf die KNIL gesetzt hatten, wurden bitter enttäuscht. Zwar kam es zu mehreren Versuchen der gewaltsamen Einflußnahme von ehemaligen KNIL-Verbänden auf die, Holland nicht unbedingt freundlich gesinnte, Regierung in Jakarta. Aber alle Aufstände – sei es der des holländischen Hauptmanns Westerling auf Java unter Beteiligung des Kabinettsmitgliedes Sultan Hamid II. von Westborneo oder jener des Fallschirmjägerhauptmanns Abdul Azis auf Celebes – konnten niedergeschlagen werden. Und der Erfolg der Rebellionen der hollandfreundlichen Verschwörer war ein für Holland höchst unangenehmes Resultat: Die Eingliederung fast aller Einzelstaaten auf Java, Celebes und Sumatra in die zentralistische Republik Indonesien. Nur in Ostindonesien hatten die Rebellen Glück, in Amboina, der zweitgrößten Flottenstation Indonesiens rief der Generalstaatsanwalt Ostindonesiens die unabhängige „Republik der Süd-Molukken“ aus, die neben Amboina die Inseln Aru, Ceram und die Kai-Gruppe umfaßt, alles Kerngebiete für die Rekrutierung der KNIL. Die Regierung in Jakarta steht hier vor einer weit ernsteren Lage als bei den vorangegangenen Aufständen, weil sich auf den Süd-Molukken weder Bundestruppen noch Bundespolizei befinden.

Der unverkennbare Zusammenhang zwischen den verschiedenen Aufständen der KNIL-Einheiten und gewissen inoffiziellen holländischen Kreisen führte zu einem Mißtrauen der Bundesregierung in Jakarta, das die holländische Regierung dadurch zu zerstreuen sucht, daß sie nunmehr die beschleunigte Abberufung aller holländischen Offiziere aus den noch bestehenden KAIL-Verbänden vornimmt und gleichzeitig dem Abtransport der Heimattruppen nach Holland fördert. Offenbar hat auch die USA-Regierung allergrößtes Interesse an der Beseitigung aller Rebungsmöglichkeiten in Indonesien, jedenfalls hat sie der holländischen Regierung neun große Truppentransporter zur Verfügung gestellt für den Abtransport der Truppen, der bis zum September durchgeführt sein soll.

Die beinahe restlos vollzogene Rückbildung zum Einheitsstaat ist die einseitige Durchführung einer Forderung, deren Bewilligung die Vertreter Indonesiens auf der Haager Konferenz nicht erreichen konnten. Die holländische Regierung scheint jedoch nicht zu beabsichtigen, ernsthaften Protest gegen diese Entwicklung zu erheben, um „die für Holland so wichtige Union mit Indonesien nicht zu gefährden. Diese Union wird ohnehin durch die Republik der Süd-Molukken und die kommenden Verhandlungen über den holländischen Teil von Neu-Guinea, den die Regierung von Jakarta in ihr Hoheitsgebiet einzugliedern wünscht, auf eine harte Probe gestellt werden... Ernst Krüger