J. K. Feldkirch, im Mai

In der Deutschen Kirche in Rom wurde vor einigen Tagen der Monsignore Dr. Franz Jachym in feierlicher Zeremonie vom Wiener Erzbischof Kardinal Innitzer zum Bischof geweiht. Die Weihe fand auf unmittelbare Anweisung des Papstes statt, der gleichzeitig die Ernennung Dr. Jachyms zum Koadjutor des Erzbischofs von Wien bestätigte.

Der Feierlichkeit in Rom, die am 19. Mai stattfand, war am 23. April im Wiener Stephansdom ein merkwürdiger und höchst ungewöhnlicher Vorfall vorangegangen. Auch dort hatte sich, am „Sonntag des guten Hirten“, eine festliche Gemeinde zusammengefunden: der päpstliche Nuntius, Mitglieder der Regierung, das diplomatische Korps, prominente Vertreter der katholischen Laienwelt. Kraft päpstlicher Bulle sollte der Professor für Moraltheologie Dr. Franz Jachym zum Titularerzbischof geweiht und zum Koadjutor des Kardinalerzbischofs bestellt werden.

Gemessen, langsam, feierlich – unabänderlich nahm die kultische Handlung ihren Verlauf, Und doch wußte einer in dem großen Dom, daß sie an ihrer entscheidenden Stelle jäh unterbrochen werden würde, ja, daß sich in wenigen Minuten etwas ereignen würde, was die Kirchengeschichte seit rund tausend Jahren nicht mehr verzeichnet hatte. Es kamen die 18 Fragen des letzten Examens. „Credo“ ... „Volo“, langsam wurden die Worte gesprochen, bis sie ganz ausklangen.

Dann die entscheidende Frage. Entscheidend? Ist nicht alles längst entschieden, ein Spiel der Liturgik, weihrauchumwobene uralte Sprachornamentik? Jetzt antwortete Dr. Jachym dem Kardinal. Lateinisch, leise, mit etwas bebender Stimme, in längeren Sätzen, als man erwartet hätte. War das der vorgeschriebene Text? Plötzlich sprach der designierte Bischof deutsch:

„In langen, durchwachten Nächten bin in zur Ansicht gekommen, unwürdig zu sein für dieses Amt... Mit aller Demut und Festigkeit...“

Eine merkliche Unruhe erfaßte alle. Plötzlich verließ Dr. Jachym den Kreis der Kirchenfürsten, verließ den Raum... floh aus der Kathedrale. Ein leises Zittern schien durch die Gestalt des fünfundsiebzigjährigen Erzbischofs zu gehen. Dann faßte er sich, griff nach dem hilfreichen Stichwort, das der Flüchtige ihm noch gegeben: „Ich bitte den Kardinal in der feierlichen Messe fortzufahren...“. Selbst die Stelle hatte er noch genannt: „Nach dem Alleluja-Vers...“