In Wiesbaden hielt in der vergangenen Woche der Markenverband, die Vertretung von über 320 führenden Herstellerfirmen der Markenartikelindustrie, seine Jahresversammlung ab. Die Atmosphäre dieser Tage war überaus freundlich, die Rückschau auf ein Jahr erfolgreicher Arbeit voll Genugtuung und der Ausblick relativ optimistisch Entsprechend der Zielsetzung des 1948 wiedergegründeten Verbandes standen ein wirksamer in- und ausländischer Markenschutz, die freiwillige Ordnung des Werbewesens und die Sicherung der Vertriebsbedingungen für Markenerzeugnisse im Vordergrund der Beratungen. Als Erfolg konnte Dr. Lutz mitteilen, daß der auf Anregung des Marken Verbandes geschaffenen „Informationsstelle für die Verbreitung von Werbeträgern“ (IVW) bereits über 300 Zeitungen und Zeitschriften mit einer geprüften März-Auflage von 10,5 Mill. gedruckten und 9,2 Mill. verkauften Exemplaren angehören. – Ein Wermutstropfen ist das Schicksal der „Marken“, mit denen deutsche Exportwaren Weltgeltung erlangten, Sie wurden ja als Teil des deutschen Vermögens unter dem begriff „Reparationen“ beschlagnahmt, wurden übertragen oder anderweitig verwertet, so daß ihre Verwendung durch die deutschen Stammfirmen meist nicht mehr möglich ist. Der Markenverband wehrt sich mit Recht gegen ein Prinzip durch das die Marke, Symbol freiwillig übernommener Unternehmerverantwortung in einer Zeit zunehmender Anonymität und Ausdruck dner individuellen Leistung, ihrem Sinn entfremdet wird. Die Bundesregierung wird sich bemühen, im Rahmen der Handelsverträge für eine Sicherung des Gebrauchs der im Export unentbehrlichen Marken zu sorgen.

Im Mittelpunkt der Referate des zweiten Teils der Tagung standen die Ausführungen von Prof. Erhard über „Gegenwartsfragen der Wirtschaftspolitik“, in denen er sich entschieden und temperamentvoll gegen alle Bestrebungen „präsumtiver Kartellsyndici“ zur Wiederaufrichtung der alten Kartellherrlichkeit wandte. Solange er an der Spitze der Wirtschaftspolitik stehe, werde diese „aus einem Guß und keine Echternacher Springprozession“ sein.–Dr. Kurt Pentzlin, Hannover, unternahm es dann, die Kritik am Unternehmer zu untersuchen und seinen Kollegen vorzuhalten, wieviel es an ihnen selber liege, sich die zukommende Anerkennung zu sichern. Von Keynes, der 1919 der europäischen Unternehmerschaft „Angst und Kleinmut“vorwarf, über Lloyd George, der sich im englischen Unterhaus zwischen „Gewerkschaftskongreß“ (der Opposition) und „Vereinigten Handelskammern“ (auf den Regierungsbänken) stehend fühlte, bis zu Burnham, für den der Unternehmer ein nach politischer Macht strebender Manager sei, bestätige sich einseit Jahrzehnten unverändertes Fehlurteil, das aus der Verteidigungsstellung und einer bewußten politischen Zwecklegendenbildung herrühre. Unter Berufung auf den „echten Unternehmer der neuen Kombinationen“, der für die Bedarfsdeckung über den lebenswichtigen Bedarf hinaus maßgebend sei – und mit dem die Marktwirtschaft ebenso wie die Demokratie stehe und falle –, forderte Dr. Pentzlin auch die politische Aktivität des Unternehmers und die Erweiterung des „kleinen Grenzverkehrs“ zwischen Unternehmer und Demokratie. Denn die Demokratie brauche einen hohen Lebensstandard, den nur die Marktwirtschaft schaffen könne. Dabei sei nicht der Arbeiter, sondern der Funktionär der eigentliche Gegenspieler, dem also durch die politische Betätigung des Unternehmers entgegengetreten werden müsse. O/Lü.