Ja, als Händler muß ich natürlich für jeden

Kunden etwas haben. Der eine hat mehr, der andere weniger Geld. Die Neureichen wollen „altreich“ erscheinen; daher sind sie die besten-Kunden für die repräsentativen Herrenzimmer, und dann eben – für scharmante Schlafzimmer. Der Mittelstand kauft sich jetzt – nach Ausbombungen - – zum zweitenmal Möbel. Zum Teil will er es so haben, wie es gewesen war, zum anderen Teil pflegt er moderne Wohnkultur. Das sind schon drei Geschmacksrichtungen.

Ich bin mir aber klar, daß, auf lange Sicht gesehen, diese Kreise nur den geringsten Teil meiner großstädtischen Kundschaft ausmachen. Auf dem Lande mag es anders sein. Die bäuerlichen und bürgerlichen Käufer eines kleinstädtischen Händlers wünschen nach wie vor „ihr“ Schlafzimmer, das Standardbüfett, die Küche mit Uhr. Nun, da ist ja auch zumeist mehr Platz, relativ große Stücke zu stellen. Ich muß Wert auf meine Hauptkundschaft legen, den städtischen Arbeiter mit 250 DM Bruttomonatslohn. Er kann in 18 Monatsraten bei allgemein 400 DM Möbelkauf – wenn er kauft, dann ging dem ein hartes Rechnen voran – Monat für Monat 20 Mark abzahlen. Er zahlt pünktlich. Aber: er will etwas haben für sein Geld. Das setzt voraus, daß man von vornherein soziale Preise kalkuliert. Nicht, daß ich private Sozialpolitik betreiben, also bewußt zusetzen möchte. Ich habe ein Geschäft und will und muß verdienen. Das gelingt mir aber nur, wenn ich von der Kaufkraft dieser Masse der Bevölkerung ausgehe und danach meine Möbel baue und anbiete. Diese Überlegung und der Druck der Konkurrenz führten zur vierten Geschmacksrichtung, dem Volksmöbel, wie ich es nenne. Das Schlafzimmer zu 324 DM, den Anbauschrank zu 98 DM, das Küchenbüfett in entsprechender Preislage (wobei ich, dies am Rande, mehr in die Höhe als in die Breite strebe, denn nach oben ist der Raum nur selten ausgenutzt). Und diese Ware zu diesen Preisen, die natürlich große Serien bedingen, verkaufe ich mit vollem Erfolg, trotz Konkurrenz, trotz Formen, die manchmal mit dem Althergebrachten brechen.

Dies und anderes erfuhr man in Hamburg (bei Kubah) und sah: Der Mann hat recht. Und es ist hier niedergeschrieben, weil dieser Mann nicht den „Richtlinien“ der Kölner Möbelmesse gefolgt ist, sich dennoch aber durchsetzt. W-n.