Berlin, im Mai

Die Defa hat mit „Ehe im Schatten“ und „Affäre Blum“ Filme geschaffen, deren Qualität vor internationalen Maßstäben besteht. Mit dem Rat der Götter ist sie der Versuchung oder dem Auftrag erlegen, einen Tendenzfilm bösartiger couleur zu drehen. Dieser von Kurt Mätzig, dem Regisseur der „Ehe im Schatten“ gedrehte Film hat nicht den Avantgardismus der Eisenstein und Pudowkin für sich, die in den zwanziger Jahren ihre weltbekannten Tendenzfilme drohten. Weil er nur die – freilich ordentlich – eingesetzten Mittel der Schauspielerführung, der Photographie, der Massenszenerien aufzuweisen hat, ist ihm die Absicht in jeder Szene überdeutlich anzusehen. Diese Absicht ist nachzuweisen, daß der deutsche IG-Farben-Konzern nicht nur während des Krieges über Schweizer Mittelstellen mit amerikanischen Kapitals gesellschaften in Rüstungsfragen zusammengearbeitet, hat, sondern unmittelbar nach dem Kriege und auch schon während der gegen IG-Farben, geführten Kriegsverbrecherprozesse wieder die gleiche Verbindung Intensität und im amerikanischen Auftrag auch sehr bald wieder Sprengstoffe hergestellt habe. Dies alles nennt im Schlußwort des Films einer, der es angeblich durchschaut hat, die ganze, die volle Wahrheit, und zum Beweis soll gelten, daß Friedrich Wolf, der einst so bekannte. Autor zeitangewandter Stücke, für sein Drehbuch die Veröffentlichung eines amerikanischen Außenseiters benutzt hat, der zeitweilig am Nürnberger Gericht gearbeitet hatte. Paul Bilde hat sich – mit blassen Farben, – bereitgefunden, den Chef der IG-Farben, zu spielen, und Robert Tillmann gibt die Studie eines Mannes, der als tumber Tor und Nur-Wissenschaftler spät die Wirkung seiner Erfindung erkennt und dann die erwünschten tendenziösen Worte zu sagen hat.

Die Einseitigkeit des Films wirkt um so nachdrücklicher, als er schon vor seiner Premiere von den entsprechenden politischen Stellen als das „Größte Friedenswerk des Films“ angekündigt wurde. Die andere Seite der Rüstungen, die Seite hinter dem Eisernen Vorhang, wird freilich mit keinem Worte erwähnt. Und die „ganze Wahrheit“, die dieser Film pathetisch für sich in Anspruch nimmt, ist weniger als die halbe. k, w.