Die zwölf Außenminister der Atlantikpaktmächte beendeten ihre viertägige Konferenz in London. Der britische Außenminister Bevin erklärte in seiner Schlußansprache: „Diese Konferenz hat zur Gründung einer großen atlantischen Bruderschaft geführt.“ In einem Schlußkommunique wurden die Resultate der Konferenz veröffentlicht. Es wurde beschlossen, einen ständigen Kleinen Atlantischen Sicherheitsrat zu bilden, der die Koordinierung aller Pläne der einzelnen Mitgliedsstaaten zur militärischen Stärkung und wirtschaftlichen Gesundung durchführen soll. Außerdem ist die Aufstellung angemessener „kollektiver Streitkräfte“ der Länder des Atlantikpaktes vorgesehen, die an die Stelle der bisher nationalen Streitkräfte treten sollen.

Der Vorsitzende der amerikanischen Stabschefs, General Bradley, erklärte, es sei notwendig, Sondervollmachten an Präsident Truman zu übertragen, wenn Amerika seine auf der Londoner Atlantikkonferenz übernommenen Verpflichtungen erfüllen wolle. Er forderte, daß die Vereinigten Staaten die Führung der westlichen Welt übernehmen sollten.

Die Außenminister der drei Westmächte veröffentlichten eine Erklärung, aus der hervorgeht, daß sowohl die Vereinigten Staaten als auch Kanada wahrscheinlich der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (OEEC) beitreten werden.

Außenminister Acheson versicherte vor seiner Abreise nach Amerika in London: „Die Vereinigten Staaten werden Westeuropa auch nach dem Ende des Marshall-Planes im Jahre 1952 nicht im Stich lassen.“ Diese in Aussicht gestellte Fortsetzung der USA-Hilfe ist nach Ansicht gut unterrichteter Kreise dazu angetan, die Währungspolitik Großbritanniens, besonders auf dem Gebiete der Konvertierbarkeit des Pfundes, grundlegend zu ändern. Man nimmt an, daß London eine Revision seiner bisher ablehnenden Haltung gegenüber der geplanten europäischen Clearing-Union vollziehen wird.

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Auf diplomatischer Ebene wurde der Kalte Krieg zwischen den Westmächten und den sowjetischen Satellitenstaaten verschärft fortgesetzt. Die ungarische Regierung forderte Großbritannien auf, drei Beamte der britischen Gesandtschaft in Budapest abzuberufen. London hat seinerseits die Abberufung eines ungarischen Attaches in der britischen Hauptstadt verlangt. Die polnische Regierung gab bekannt, daß sie in Zukunft den ‚dritten Sekretär der britischen Botschaft in Warschau als persona non grata betrachten werde. Rumänien forderte die USA auf, das Personal ihrer Botschaft in Bukarest auf zehn Angestellte zu verringern.

Die Sowjetunion lehnte es ab, die Stärke ihrer Besatzungstruppen in Österreich oder die Kontrolle. der österreichischen Angelegenheiten in irgendeiner Weise zu verringern.