Als es kürzlich in Kulmbach eine Nachwahl zum Bundestag gab, wobei Dr. Semler, einst Vorgänger Erhards in der ehemaligen Frankfurter „Verwaltung für Wirtschaft“, knapp Sieger blieb, hätte sich auch Alfred Loritz, M. d. B., um das Mandat beworben. Wie das? Wie ist es möglich, daß ein Mann, der bereits im Bundestag sitzt, nochmals kandidierte und dabei an jenen Hitler denken ließ, der sich seinerzeit gleich in allen Wahlkreisen als Spitzenkandidat aufstellen ließ? Die Antwort lautet: Nach Ansicht der Kronjuristen des Bundes ist dergleichen in der Verfassung nicht verboten – ergo zulässig! Uns will scheinen, als ob der gesunde Menschenverstand bei solcher Verfassungsauslegung zu kurz käme. Schließlich kann selbst ein Alfred Loritz nicht zwei Mandate gleichzeitig wahrnehmen. Daher – so sollte man denken – hätte seine Kandidatur in Kulmbach nur unter der Voraussetzung erfolgen können, daß er sein erstes Mandat, das er auf der Landesliste für Bayern erstritten hat, niederlegen müßte, daß also bei einem Kulmbacher Sieg, der nächste Mann von der Landesliste seiner Partei in den Bundestag hätte einziehen müssen ... Aber ist ein solches Verwechsel-das-Bäumlein-Spiel etwa in der Bundesverfassung vorgesehen? Oder hat das Innenministerium in Bonn die Zulässigkeit der Loritzschen Kandidatur in Kulmbach gar deshalb nicht bestritten, um einem Mann, dessen querulatorische Neigungen bekannt sind, keine Gelegenheit zum Querulieren zu geben? n. f.