Neuheit – Leistung – Absatz heißt das Motto, unter dem die Deutsche Handwerksmesse 1950 in München abgehalten wird. München will diese Messe zu einer ständigen Einrichtung machen und dadurch, wie Wirtschaftsminister Dr. Seidel meinte, eine Messestadt wie Hannover, Frankfurt oder Köln werden. Die Handwerksmesse, die nicht nur eine Schau-, sondern gleichzeitig eine Verkaufsmesse ist, soll den inländischen Absatz fördern und den Export handwerklicher Erzeugnisse in Gang bringen.

Mit einer überdachten Ausstellungsfläche von 20 000 qm und 15 000 qm Freigelände hat München die größte europäische Handwerksmesse. Die Zahl der Aussteller erhöhte sich von 700 im vergangenen Jahr, als die Messe zum erstenmal. durchgeführt wurde, auf 1000. Rund 65 v. H. der Aussteller stammen aus Bayern, 31 v. H. aus den übrigen Bundesländern und 4 v. H. aus dem Ausland. Von den 60 ausstellenden Handwerksgruppen stellen die Mechaniker mit 7,4 v. H., die Brauer mit 6,5 v. H. und die Schlosser mit 6 v. H. die stärksten Ausstellerkontingente. Österreich zeigt eine Kollektivschau. Aus Italien und Jugoslawien sind ganz spezielle heimische Handwerksarbeiten zu sehen. Und Frankreich stellt Produkte aus Nordafrika und den Kolonien zur Schau. Der Protektor der Messe, Bundespräsident Prof. Heuss, stellte auf der gleichzeitig abgehaltenen Feier des 50jährigen Bestehens der deutschen Handwerkskammern fest, daß das Handwerk durchaus seine Daseinsberechtigung habe. Die Befürchtungen, es werde durch die Maschine gefährdet, hätten sich nicht bewahrheitet, und die Lehre von Karl Marx über den Untergang des Handwerks sei damit überholt.

Auf dieser Messe, die am 4. Juni wieder ihre Tore schließt, zeigen die Handwerker, daß das industrielle Massengut kein Ersatz für das Erzeugnis ist, das eine kunstfertige Hand geschaffen hat. Sie werben darüber hinaus für eine Lebensform, die sich mit dem Kollektivismus nicht verträgt. hbd.

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Bremerhaven, der größte Fischereihafen der europäischen Festlandes, beherbergt bis zum 31. Mai in zwei großen Auktionshallen und auf dem Freigelände seines Seefischmarktes die „Deutsche Fischereimesse 1950“. Mit dieser Veranstaltung nimmt die deutsche Fischwirtschaft Gelegenheit, ähnlich wie es 1938 in Hamburg die Ausstellung „Segen des Meeres“ tat, ein umfassendes Bild von der vielseitigen Bedeutung und volkswirtschaftlichen Verflechtung der deutschen Fischerei zu bieten. Die Verwirklichung dieser Absicht ist Bremerhaven hervorragend gelungen. Eine Fülle interessanter Ausstellungsstände zeigt führende Firmen, die vor allem als Zulieferindustrien mit unserer Fischerei verbunden sind. Lebhaftes Interesse finden die repräsentativen Stände der Werften mit ihren Schiffsmodellen und ein Stand mit modernen Fischindustriemaschinen. Aber auch die Sonderschau der deutschen Fischwerbung, die hoffentlich recht bald als Wanderausstellung in ganz Deutschland gezeigt werden wird, ist ständig überfüllt.

Eine besondere Bedeutung wurde der Ausstellung durch die Eröffnungsrede von Minister Prof. Dr. Niklas und die starke Anteilnahme des Auslandes gegeben. U. a. wurde sie von Fischerei- und Fischindustrie-Experten aus Großbritannien, Island, den Niederlanden, Belgien Frankreich, Portugal und den skandinavischen Ländern aufgesucht. Gemeinsam mit dem ersten Fischereischutzboot Gemeinsam dem Vermessungs- und Forschungsschiff „Gauss“ und einem modernen Rettungsboot der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ergab das zweite Fischereischutzboot „Meerkatze“ – von Prof. Dr. Niklas feierlich in Dienst gestellt – einen starken Anziehungspunkt. Das gilt aber auch für die Modellbauten, die die Seefischmärkte Bremerhaven, Cuxhaven und Kiel zeigen. Sie bemühen sich sehr darum, ihre Leistungen – im Interesse eines besseren Fischabsatzes und Konsums – in den Vordergrund zu stellen. Hierbei fiel besonders Hamburg auf – alldieweilen es überhaupt nicht vertreten war, obwohl gerade in Hamburg die Lage der Fischwirtschaft so katastrophal ist, wie kaum anderswo, ww.