Anderwärts geben Klubs und gesellige Vereine ihren Mitgliedern willkommene Gelegenheit dazu, „Geld unter die Leute zu bringen.“ In Hamburg aber, auch in den nicht minder konsumfreudigen angrenzenden Gebieten Holsteins und Niedersachsens bringt man es fertig, Geselligkeit und Sparen miteinandner zu vereinen – wie die Existenz der vielen kleinen „Sparklubs“ zeigt, die zumeist in Gastwirtschaften tagen.

Allgemein bemerkenswert ist nun, daß neben dem „Versicherungssparen“ und dem sonstigen „Zwecksparen“ dies „Sparen ohne bestimmte Verwendungsabsicht“ schon wieder eine solch, große Verbreitung und Bedeutung gewonnen hat, besonders da ja die Vorsorge für das Alter, die früher der stärkste Antrieb für alle Spartätigkeit war, nun zunehmend auf anderen Wegen angestrebt wird. Bemerkenswert ist auch, daß die Sparkassen selber mit soviel Zähigkeit für ihr Geschäft werben – obwohl es, unter den heutigen Umständen, „beinahe“ ein Zuschußunternehmen ist! Wie nämlich auf der Hamburger Sparkassentagung mitgeteilt wurde, muß heute noch, um die relativ geringe Verzinsung geben zu können, die Sparkasse für jede Mark Einlagebestand jährlich 2 Pfennig „zuschießen“. Das ist nicht (oder doch nicht in erster Linie) die Folge eines zu niedrigen Zinssatzes für Ausleihungen, sondern erklärt sich daraus, daß als Aktiven den „alten“ (am 21. Juni 1948 vorhandenen) Einlagen größtenteils Ausgleichsforderungen gegenüberstehen, die nur 3 v. H. Zinsen erbringen. Eine „kleine“ Erhöhung der Zinserträge für die Ausgleichsforderungen, im ausmachenden Betrag von etwa 20 Mill. DM fürs Jahr gerechnet, würde die Sparkassen aus diesem Dilemma befreien, würde sie außerdem befähigen, auch die Einlagen im gleichen Maße höher zu verzinsen.

Daß dies wünschenswert wäre, ist klar – vielleicht wäre es sogar notwendig, denn: „je größer die Einlage, um so zinsempfindlicher ist der Sparer.“ Und da die Sparkassen mit den vielen winzig-kleinen Konten aus der Geldumstellung belastet sind, deren Verwaltung relativ teuer ist, erscheint es geboten, ihnen eine Hilfsstellung zu geben, damit ein „Abwandern“ der größeren Kunden und Konten zu höher verzinslichen Anlagemöglichkeiten vermieden wird. Es läßt sich also durchaus verantworten, daß die Länder für „ihre“ Ausgleichsforderungen, die bei den Sparkassen liegen, einen etwas höheren Zins geben; dafür spricht auch, daß sonst eine falsche Relation bei den Kreditkosten entsteht: derart, daß kurzfristige Ausleihungen teurer als langfristige Kredite abgerechnet werden. Die sogenannte Aufwertung, die einen großen Teil der heute „tot“ liegenden Kleinstrenten wieder lebendig werden lassen oder sie doch wenigstens aus dem Stand der Kostenzuschußerfordernis in den Stand des Gleichgewichts (zwischen Kosten und Erträgen also) bringen würde, ist die andere Hoffnung,

Neben den großen Referaten der Gäste, die von außerhalb der Sparkassenorganisation kamen – Geheimrat Vocke, Minister Noelting und Präsident Abs – brachte die Tagung in Sachen „Sparkassenpolitik“ eine Fülle von weiteren Anregungen. Wir erwähnen hier die Spezialwünsche für ein vereinfachtes und für längere Zeitdauer geltendes Verfahren beim steuerbegünstigten Sparen. Weiter wird eine Abänderung der Vorschriften über die Liquiditätsreserve gewünscht, die in ihrer heutigen Fassung unlogisch und zweckwidrig (auch unwirtschaftlich!) sind; der Begriff „Geldvolumen“ spielt da eine unglückliche Rolle. Die einschränkenden Bestimmungen für den Giroverkehr „von Land zu Land“, über die wir kürzlich schon berichtet haben, sollten fallen; zum neuen Kreditaufsichtsgesetz, mit seinen „wettbewerbsregelnden“ Bestimmungen über Zins und Konditionen, wurde manches Kritische gesagt. Interessant war, noch die Ankündigung, daß man sich (wie in Italien) Gedanken über das Verfahren des Beteiligungssparens macht, und nicht minder wichtig ist der Hinweis, daß Frankreich sowie auch Großbritannien die Sparkassen des deutschen Typs überhaupt nicht kennen: Was dort Sparkasse heißt, das ist in Wirklichkeit der verlängerte Arm des Schatzministeriums.

Diese und andere Fragen der Praxis, speziell auch der Beteiligung der Sparkassen bei der Wohnbaufinanzierung betreffend, wurden in der internen Tagung der Sparkassenleute behandelt und in dem Referat von Direktor Butschkau, auf der öffentlichen Kundgebung am folgenden Tage nochmals kurz angesprochen. Weiteres Material hierzu findet sich in dem Doppelheft der „Sparkasse“ („Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft deutscher Sparkassen- und Giroverbände und Girozentralen“), das zur Tagung vorlag. Hier beansprucht besonderes Interesse die erfreulich klare Stellungnahme des ehemaligen Oberpräsidenten Dr. Lehr (Düsseldorf) zu den im Wohnungsbaugesetz zunächst vorgesehenen Bestimmungen, die eine .„Zwangsanlage“ von Spargeldern für den sogenannten sozialen Wohnungsbau, und zwar zu einem Zinssatz von 4 1/4 v. H., einführen, wollten.

Zum Schluß noch ein. paar Worte über die Referate der drei Gäste! Minister Noelting plädierte, wie nicht anders, zu erwarten, für die Entscheidungsbefugnisse des Politikers, des „Nichtfachmannes“, auf geld- und kreditpolitischem Gebiet: Dieser soll also das Urteil des Fachmannes beiseite schieben dürfen; er soll (um „im Bilde“ zu bleiben) anordnen können, daß „die Brücke der Währung“ noch zusätzlich zu belasten sei, selbst wenn der „Techniker“ erklärt, daß der Konstruktion keine weitere Belastung zugemutet werden dürfe. Die jüngst veröffentlichten Zahlen des „Aktionsprogramms“ der SPD unterstreichen dies: Da ist die Rede von „Zunächst“ 4 Md. DM für Investitionen, wovon (angeblich!) 2 Md. aus Gegenwertmitteln zur Verfügung stehen, so daß „lediglich ein Betrag von 2 Md. DM fehlt“, der nach Ansicht der Verfasser „ohne Bedenken im Wege der Kreditschöpfung aufgebracht werden könnte“. Damit will man etwa eine Million Erwerbslose an bestehenden Arbeitsplätzen beschäftigen; für die Eingliederung weiterer zwei Millionen Menschen, also für die Beseitigung der strukturellen Erwerbslosigkeit, sollen dann noch mit einem Aufwand von 20 bis 22 Md. DM neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Das heißt also: Lastenausgleich auf dem Kreditwege, speziell durch Kreditausweitung! Steuerliche Maßnahmen“ gegen einen eventuellen „Kaufkraftüberhang“, wie man neuerdings schamhaft für Inflation sagt, werden empfohlen; niedriger Zins wird verlangt, vor einer Außenhandelsliberalisierung („nur ein äußerst vorsichtiges öffnen der Grenzen!“) wird gewarnt.... Das ist also das Konzept Mr. Attlees, mit dem man uns nun gewaltsam beglücken will!

Wie es mit den Gegenwertgeldern wirklich beschaffen ist, hat übrigens Präsident Abs auf der Sparkassentagung deutlich genug ausgeführt. Danach kann von 2 Md. DM für die nächste Zukunft gar keine Rede sein: bis Mitte. 1952 sind 3,8 Md. insgesamt zu erwarten, die allerdings bis auf 700 Mill. DM schon „verplant“ sind. Offenbar reicht die Sachkunde der Herren vom „Aktionsprogramm“ nicht aus, um auch nur die tatsächlichen Zahlen zu kennen und mit ihnen zu rechnen! Im übrigen brachte das Referat von Abs, wie auch das vorhergehende von Vocke, eine Reihe glänzender Formulierungen zur Verteidigung der – mit Recht! – so vorsichtig abwägend geführten Kreditpolitik der letzten anderthalb Jahre. Und es war erfreulich, zu sehen und zu hören, wie stark das Parkett der Fachleute dabei „mitging“.Ganz so isoliert, wie es manchmal erscheinen mag, ist also die Zentralbankleitung nun doch nicht – und schließlich ist ja auch zu bedenken, daß hinter den Teilnehmern an der Tagung, die hier der klugen Politik applaudierten, für die Vocke und Abs als Repräsentanten sprachen, 14 Millionen Sparer stehen – 14 Millionen Gleichgesinnte also! E. T.