DIE ZEIT

Neutrales Schweden

Die Liquidation der nach Kriegsende beschlagnahmten deutschen Vermögenswerte ist soeben durch Beschluß des schwedischen Parlaments rechtskräftig geworden.

Linientreue jetzt auch in der SPD

Wertvolle Mitarbeiter pflegt man sich im Betrieb zu erhalten, auch wenn sie gelegentlich einmal widersprechen. Es gibt sogar kluge Betriebsführer, die einen solchen Widerspruch, zu schätzen wissen, wenn er konstruktiv ist.

Der Geist von Dünkirchen ist noch nicht tot

Sie werden noch einmal fahren, die kleinen Boote ... Am kommenden Wochenende, zehn Jahre nach der Räumung des Dünkirchen-Strandes, werden viele der kleinen Schiffe noch einmal den Kanal kreuzen, in Erinnerung an eine große Katastrophe und – an die stärkste Inspiration der Engländer im letzten Kriege.

Haltet Berlin

Our Berliners“ – „Unsere Berliner“ pflegten die Alliierten während der Zeit der Luftbrücke zu sagen, und es war das erstemal seit dem Krieg, daß mit Wärme und freundschaftlichen Gefühlen von den Deutschen gesprochen wurde.

Der Neger

Viel böse Gerüchte rankten sich um den zu Pfingsten nun endlich abgelaufenen Kampf ten Hoff–Walcott, von dem man sagt, daß ihm ein Kampf der Manager vorausgegangen sei und ihm ein Kampf der Anwälte vor Gericht folgen werde.

Bedroht Europas Einheit Deutschlands Einheit?

Nach einer Rede des Bundeskanzlers, der trotz seiner Erkrankung in der Sitzung erschienen war, um seine Politik zu verteidigen, hat der Bundesrat in Bonn bechlossen, daß Westdeutschland dem Europarat beitreten soll.

So nicht!

minister Stikker als Direktor der OEEC auf Banketten nur selten vergißt, warmherzige Worte an die Adresse Deutschlands zu richten, und in der die Bürgermeister der größten holländischen und deutschen Hafenstädte sich gegenseitig freundliche Botschaften senden und Besuche machen, zu dieser Zeit, fünf Jahre nach Waffenstillstand, hat die holländische Regierung von Deutschland die „Rückerstattung“ von 66 Binnentankern gefordert, die im Krieg auf holländischen Werften gebaut wurden.

DIE WOCHE

Die Alliierten Hohen Kommissare haben dem Oberkommandierenden der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, General Tschuikow, in einer Note gemeinsame Besprechungen über allgemeine freie Wahlen in Gesamtdeutschland vorgeschlagen.

Land ohne Neid und Hort der Bürgerfreiheit

Unwillkürlich kam uns nach der Landung unseres Flugzeuges in Washington vergleichsweise aus der Erinnerung die Idee, daß der einst gesehene Film „Metropolis“ ein schlechter Pappscherz sei gegen dies lebendige Bild des gigantischen Amerika.

Konferenzen am laufenden Band

In der Berichterstattung über die Londoner Konferenz ist den Regisseuren ein Fehler unterlaufen. Weder in den Tageskommuniques noch in dem offiziellen Schlußbericht war erwähnt worden, daß „die großen Drei“ sich auch Über jene Länder der Truman Doctrine unterhalten haben, die nicht zu den Partnern des Atlantik-Paktes gehören.

Trygve Lie

Trygve Lie hat seine Reise durch die Metropolen des Kalten Krieges beendet. „Keine Tür ist geschlossen“, so erklärte er lächelnd.

Das Ärgernis

Im laufenden Marshall-Plan-Jahr sollte das Bundesgebiet an ERP-Geldern und Garioa-Mitteln insgesamt einen Betrag von 730 Millionen Dollar erhalten.

Die Säuberungsguillotine

Das Gesetz, daß in einer Volksdemokratie auf die Dauer niemand der Säuberung entgehen kann, wirkt sich in diesen Tagen auch an dem früheren tschechischen Außenminister Clementis aus.

Die Reihen fest geschlossen

Es regnete häufig und heftig, und es war kalt. Das war das Unerwartete an den Berliner Pfingsttagen, Das andere lief ab. Die Stadt war menschengefüllt, beide Städte: die westliche und die östliche, aber nie unterschieden sie sich so wie in den Pfingsttagen.

Herrliche Zeiten

Von Wilhelms II. Wort „Ich führe euch herrlichen Zeiten entgegen“, nimmt Günther Neumann, einst Autor des kabarettistischen Films „Berliner Ballade“ das Thema zu seinem Film „Herrliche Zeiten“ (Delphi-Palast, Berlin).

Salzgitter und der Schuman-Plan

Der niedersächsische Minister der Finanzen, Dr. Georg Strickrodt, hat uns den folgenden Aufsatz zur Verfügung gestellt, in dem er die höchst aktuelle Frage untersucht, wie weit der Schuman-Plan auf die Demontagepolitik der Alliierten Einfluß haben könnte.

Alle meine Söhne

Der Glaube an die Möglichkeit durch künstlerische Aussage eine Regeneration menschlicher Gesollschaftszustände herbeizuführen, wird immer der immanente Anspruch von Kunst und Dichtung bleiben müssen.

Lachen über sich selbst

an muß die Amerikaner liebhaben, weil ihnen dieses Spottlied voller Charme auf den bürokratisch-vertrockneten militärischen Formalismus gelungen ist: Der in der US-Zone am Rhein spielende Film „Ich war eine männliche Kriegsbraut“ ist ein freimütiges Beispiel menschlicher Selbsterkenntnis und einer liebenswürdigen Ironie, die vor den eigenen Fehlern nicht haltmacht.

Notizen

Die Eröffnungsrede zur Gutenberg-Jubiläumsausstellung in Mainz am 24. Juni wird der amerikanische Hohe Kommissar McCloy halten.

Ärztliche Zivilcourage vor Gericht

An die Spitze des Kinderkrankenhauses in Hamburg – Borgfelde wurde 1949 ein Arzt namens Dr. Trendel berufen. Es war ein politischer Wiedergutmachungsfall, weil Dr.

Dummes Geschwätz

Daß die Demokratie Demagogen nicht zu generös Redefreiheit gewähren sollte, haben wir aus furchtbaren Erfahrungen gelernt. Herr Doris, der Vorsitzende der „Sozialistischen Reichspartei“, die durch einen anspruchsvollen Namen über das Fehlen eines realisierbaren Programms hinwegzutäuschen und mit dem traurigen Ruhm des Berliner Wachkommandanten Remer vom 20.

Wo bleibt die dichterische Aussage?

Gottfried Benn prägte den Begriff des „Doppellebens“ für das menschliche und geistige Erscheinungsbild unserer Zeit. Keiner, so argumentiert er, lebe mehr aus seiner Substanz, jeder müsse ein zweites Leben führen, um die Absurdität des modernen Alltags zu bewältigen.

Der getrübte Ruhm

Unsicher und zerrissen in ihrem inneren Verhältnis zu dem Verfasser der „Buddenbrooks“, des „Zauberbergs“, des Romans von „Joseph und seinen Brüdern“ und des „Doktor Faustus“ sind viele, denen diese Bücher geistiger Besitz wurden, die aber durch das politische Auftreten Thomas Manns immer wieder an ihm irre werden.

Straße der Termine

Das Leben ist für viele Menschen eine Straße der Termine. Man denkt und arbeitet in Terminen, und Termine sind die einzigen Zäsuren, die – außer dem Schlaf – die Tage beherrschen.

Krieg und Frieden

Der Pazifismus der Völker, die heute den Frieden wollen und ein Recht haben, dieses Wort auszusprechen, beruht auf der Einsicht, daß der Krieg nicht mehr statthaft ist, daß der Menschengeist auf eine Stufe der sozialen Gesittung gelangt ist, auf der der Krieg als politisches Mittel unmöglich geworden; daß es der Friede ist, der den Menschen heute ihre Aufgaben stellt, und daß diese Aufgaben groß und dringend genug sind, daß alle Energie, Intelligenz, Opferbereitschaft, aller Heldenmut? des Menschen vollauf davon beansprucht werden und Gelegenheit finden, sich daran zu bewähren.

Erneuerung nur durch Europa

Jeder, der Max Tau begegnet, wird sofort von seiner spontanen Herzlichkeit und starken Geistigkeit angesprochen werden. Er wind sich aber vor allem im Kern seines Wesens berührt und sich selbst erhoben fühlen.

Auch ein Missionsarzt

Gandhi und Tagore wären Christen geworden, hätten sie nicht Europa kennengelernt –: ein bitter wahres Wort von Nathan Söderblom.

Das Jüngste Gericht der Heilkunst

Erfolgreiche und erregende Bücher aus der Welt des Arztes pflegen besonders dann einen Kometenschweif von internen Ärgernissen hinter sich herzuziehen, wenn ihre Autoren selber Ärzte waren oder sind.

Salto mortale der Werbung

Die „Praktische Psychologie“, die Ludwig von Holzschuher (im Heering-Verlag, Seebruck am Chiemsee) herausbrachte, sucht hinsichtlich Gründlichkeit, Materialfülle und Lehrbuchbrauchbarkeit ihresgleichen.

Henri Matisse baut eine Kirche

den Alpes Maritimes, ziemlich hoch in den Bergen, mit einem traumhaft schönen Blick auf die Côte d’Azur, das Dorf Vence. Außer der einheimischen Landbevölkerung wohnen hier oben einige Familien verschiedener Nation, Liebhaber der französischen Riviera, die aber abseits vom Touristenstrom sein wollen.

Angeknabberte Dollarklausel

Immer wieder macht die Dollarklausel von sich reden, jene Bestimmung in Zahlungsabkommen aus der Nachkriegszeit, mit der die Abdeckung der Spitzen im periodischen Saldenausgleich des gegenseitigen Warenaustauschs durch effektive Dollars vorgeschrieben wird.

Die rechtliche Natur der Restitutionen

In zwei Betrachtungen will die „Zeit“ die beiden Hauptformen der Rückerstattungen, die jetzt so brennende Bedeutung erlangt haben, behandeln: die völkerrechtliche Restitution an auswärtige Staaten oder an einzelne Ansprucherhebende im Auslande, sodann die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts gegenüber den davon Betroffenen.

Moderne Wagen aus Bremen

Mit hanseatischer Gewissenhaftigkeit und Gründlichkeit ist Bremen nach 1945 an die Arbeit gegangen, Trümmer und Schutt überall da zu beseitigen, wo sie der Krieg im Hafen, bei der Industrie und in den Wohnvierteln hinterlassen hatte.

Waldbrunners Reich

Der Sozialist lag. Karl Waldbrunner, nach 1945 erster österreichischer Gesandter in Moskau, ist bei der Umgestaltung der Wiener Regierung Ende 1949 ein besonders mächtiger Minister geworden.

Man will „elegant“ zahlen

Für das Ansehen Europas hängt viel davon ab, ob es in den Augen der übrigen Welt und vor allem in amerikanischen Augen as ein, „eleguter Zahler“ gilt.

Von Land zu Land

„Sämtliche 262 Zweiganstalten der elf Landeszentralbanken in der Bundesrepublik Deutschland stehen untereinander und auch mit der Bank deutscher Länder in Frankfurt (Main) und der Berliner Zentralbank in Berlin-Charlottenburg in unmittelbaren Überweisungsverkehr.

Die neue Version: Umschulden

Im Märzbericht der Bank deutscher Länder hieß es, daß die Notenbank wohl Kredite zur Verfügung stellen, diese aber niemanden aufdrängen könne.

Auch Ingenieure im Auslanddienst

Die Wandlungen, die sich in der Weltwirtschaft vollzogen haben und noch dauernd vollziehen, weisen in ihrer Tendenz eine so eindeutige Richtung auf, daß man sich eigentlich wundern muß, warum das von Exponenten des Außenhandels bisher nicht erkannt wurde.

Neue Produktion

Auf der Berliner Autoschau zeigt die Tempo-Werk GmbH., Hamburg-Harburg, erstmalig sein jüngstes Erzeugnis: den „Tempo-Boy“, einen Dreiradwagen mit einem 200-ccm-Motor und einer Tragkraft von 10 Zentnern.

Vierhundert Jahre

Als der Bürger Hans Woltmann im Jahre 1550 in Braunschweig seine „Kram- und Gewürzhandlung“ eröffnete, hat er wahrscheinlich nicht geahnt, daß sein bescheidenes Unternehmen 400 Jahre später als Eisengroßhandlung und ältestes deutsches Großhandelshaus ein Jubiläum feiern würde, dem selbst Minister beiwohnten.

Umsatz als Maßstab

Auf die Kritik der Schriftleitung zu meinem Aufsatz „Soforthilfelast – neu verteilt“ in der „Zeit“ vom 11. Mai ist einiges zu erwidern: Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß durch die Staffelung der Abgabe nach dem Umsatz im Verhältnis zum Einheitswert die extensive Wirtschaftsweise „steuerlich prämiiert“ wird.

Magie der vierundsechzig Felder

Die deutschen Meisterspiele des Jahres 1950 im Schach haben in Bad Pyrmont eine Überraschung gebracht: Den Sieg errang der 25jährige Referendar Wolf gang Unzicker vor dem Großmeister Bogoljubow.

Die Profis dringen vor

In diesem Frühjahr wurde in Hamburg eine Eisrevue vorgeführt, die vorher jahrelang im Londoner Stoll-Theater gelaufen und in New York wie in den meisten westeuropäischen Hauptstädten zu sehen war.

Zwischendurch:: Unvorstellbar

Ein amerikanischer Journalist wurde nach einem Europa-Trip von seinen Freunden über die Zustände auf dem alten Kontinent befragt.

Wenig Geld für schnelle Pferde

Der Pferderennsport hat es seit der Währungsreform immer schwerer. Nicht mehr so viele Besucher sieht man auf den Rennplätzen wie zuvor, und dies hat eine Verringerung der wichtigsten Einnahmen, der Totalisatorumsätze, zur Folge.

Seele wieder gefragt

Nicht weniger als fünfhundert Ärzte, die sich mit Seele befassen, kamen in Lindau zusammen. Alte Freudianer, wiedererstandene Soziologen à la Adler, Halbmagier im Sinne von Jung und ebenso nüchterne wie begeisterte Praktiker: eingeladen von der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie unter Leitung von Professor Dr.

Möweneier und die deutsche Eiche

Während am Bodensee bereits die Obstbäume Frucht ansetzen und das Sommergetreide sein Frühlingsgrün verloren hat, schimmern im dunstigen Sonnenschein der Kieler Förde noch die Apfelblüten, und der Wind treibt aus dem Hinterland den süßen Duft von Raps und Flieder auf die Ostsee hinaus.

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