Neues Abkommen mit General Motors erschüttert die Front der Unternehmer

Die General Motors Corporation in Detroit bewegt sich in Superlativen. Sie ist das größte Massenfabrikationsunternehmen in den Vereinigten Staaten, setzte im Jahre 1949 nicht weniger als 2 764 347 Fahrzeuge ab und erzielte dabei einen Nettonutzen von 656,4 Millionen Dollar, den größten Gewinn, den jemals ein Fabrikationsbetrieb in den USA gemacht hat. Diese Rekorde dürften im laufenden Jahr noch erheblich überboten werden. Kein Wunder, so könnte man meinen, daß am 24. Mai die 435 000 Aktionäre der General Motors feststellen konnten, ihre Aktien hätten den höchsten Kursstand seit 1929 erreicht. Doch ist der unmittelbare Anlaß zu dieser Kurssteigerung ein ganz anderes, zweifellos gleichfalls außergewöhnliches Ereignis: der Abschluß nämlich eines fünfjährigen Vertrages zwischen der Gesellschaft und der Gewerkschaft der Vereinigten Automobilarbeiter, der bis zum Mal 1955 ununterbrochenen Arbeitsfrieden garantiert und jeden Streik ausschließt.

Der neue Vertrag ist das Ergebnis von Verhandlungen, die seit Ende März von zwei Direktoren der General Motors mit dem Präsidenten der Gewerkschaft der Vereinigten Automobilarbeiter, Walter P. Reuther, hinter verschlossenen Türen geführt worden sind. Die Erinnerung an den 113-Tage-Streik bei General Motors um die Jahreswende 1945/46 und den erst vor kurzem beendeten 102-Tage-Streik bei den Chrysler-Automobil-Werken ließ die Öffentlichkeit den Ausgang der schwebenden Verhandlungen mit einer gewissen Spannung erwarten, die um so größer wurde, je näher der 29. Mai, der Endtermin des alten Kontraktes, heranrückte, ohne daß man Fortschritte erzielt hätte.

Es war daher eine sensationelle Überraschung, als nach einer dramatischen, 28 Stunden dauernden, Schlußsitzung die Unterhändler beider Par-

Schweizer Sensation

R. K. N. Zürich, im Juni.

Keine andere innenpolitische Maßnahme der Schweiz hat in den letzten Monaten ähnliches Aufsehen im Ausland erregt, wie der Beschluß des Bundesrates, den privaten Haushaltungen das Anlegen von Lebensmittel-Notvorräten für den Kriegsfall zu empfehlen. Daß dieser Berner Beschluß zu einer internationalen Sensation geworden ist, zeigt aber nur, wie wenig man in der Welt die Lage der Schweiz versteht. In ihr ist nun einmal die wirtschaftliche Landesverteidigung eine unerläßliche Vorbedingung der militärischen Abwehr. Der letzte Krieg hat das gezeigt, und jede Handelsstatistik, auf der die totale Einfuhrabhängigkeit der Schweiz auf dem Ernährungsgebiet hervorgeht, beweist es aufs neue. Wenn also weder der ununterbrochene Ausbau der Schweizer Armee zur augenblicklich stärksten europäischen Streitmacht,- noch das für schweizerische Verhältnisse monströse Heeresbudget von 500 Mill. Franken Sensation gemacht haben, so verdient der "Einlagerungs-Aufruf" schon gar keine internationale Beachtung. Denn hier ist nicht wie in anderen Staaten die Einlagerung von Nahrungsmitteln der letzte Akt der Kriegsvorbereitung;-hier ist sie die Ouvertüre. Und daß die 50 Franken, die im Durchschnitt jede Familie für Notvorräte aufzuwenden hat, wahrlich bedeutungslos sind gegenüber den Summen, die seit Jahren von jeder Familie, ohne jedes öffentliche Aufsehen, für den Aufbau der Armee geopfert wurden, und daß die paar Kilo Zucker, Fett, Spaghetti und die paar Liter Öl im Keller der Schweizer Hausfrauen kein beklemmenderes Indiz für eine Kriegsgefahr sind als die Tanks und Düsenjäger der Armee, sollte jedem einleuchten. So ist auch im Land selbst der Berner Beschluß ohne jede hektische Reaktion geblieben. Nichts deutet daraufhin, daß man an eine unmittelbare Kriegsgefahr glaubt. teien in den Morgenstunden des 23. Mai den herbeigerufenen Pressevertretern den glücklichen Abschluß des neuen Vertrages verkündeten. Eine Überraschung, die sich in fassungsloses Staunen verwandelte, als die vereinbarten Bestimmungen bekannt wurden: