Seit die Warschauer Deklaration die Oder-Neiße-Linie als endgültige Ostgrenze bestätigte, ist es ganz deutlich geworden: die SED zwingt Ostdeutschland, den Weg der Volksdemokratien zu gehen. In ihren Flitterwochen im Herbst 1949 hatte die Ostregierung noch großen Wert darauf gelegt, ihre Salonfähigkeit und Anschlußfreudigkeit Westdeutschland gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Die Neutralitätsapostel wurden favorisiert und keine Gelegenheit zu einer Kundgebung für die Einheit Deutschlands ausgelassen. Jetzt hat Ulbricht mit einem Federstrich die Heimat von 10 Millionen Deutschen, ein Viertel der Einheit Deutschlands, an Polen abgetreten, und die SED jubelt über dieses Meisterstück staatsmännischer Weisheit.

Ministerpräsident Grotewohl hat angedeutet, daß die Beziehungen Ostdeutschlands zu Ungarn und der Tschechoslowakei binnen kurzem nach dem Muster der Warschauer Vereinbarungen geregelt werden sollen. Das bedeutet Anerkennung der Vertreibung der Sudetendeutschen und ganz allgemein engste Zusammenarbeit auf allen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Gebieten – ja, es ist sogar eine Art gemeinsamer Wirtschaftsplanung vorgesehen. Das also wäre der zweite Schritt auf dem Wege zur Einreihung der Ostzone in den Kreis der Satellitenstaaten. Die ostdeutschen Minister haben das Warschauer Abkommen und die mit ihm eingeleitete Politik einmütig gebilligt; und da im Hinblick auf die Frage der Ostgrenze ohnehin niemand hinter ihnen steht, und es deshalb nicht so genau darauf ankommt, taten sie dies nicht nur im Namen ihrer terrorisierten Untertanen, sondern im Namen ganz Deutschlands. Niemand hat sie dazu ermächtigt, niemand weiß, wie sie dazu kommen. Nur eins ist gewiß, die Geschichte wird eines Tages über sie und den Fetzen Papier, den Ulbricht aus Warschau mitbrachte, hinweggehen, so wie sie über Adolf Hitler und sein tausendjähriges Reich hinweggegangen ist.

Und noch etwas anderes ist jetzt ganz deutlich geworden: das Schicksal Ulbrichts. Sein Kopf steckt schon tief in der Schlinge. Für ihn gibt es kein Zurück mehr auf dem traditionellen Weg, den alle Satellitenfüher Moskaus gegangen sind: Petkoff, Kostoff, Dimitroff und wie sie alle hießen. Im Osten winkt ihm der Galgen und im Westen gibt es keine Freistatt für den, der die Heimat seiner vertriebenen Brüder für ein Linsengericht verschacherte. Dff