Reichlich überraschend – obwohl immerhin fünf Jahre nach Beendigung der Feindseligkeiten – hat die Alliierte Hohe Kommission sich zu einem heroischen Entschluß in Sachen der Erleichterung von Auslandsreisen für Deutsche durchgerungen: In Zukunft sind nur noch die vom Combined Travel Board ausgestellten „vorläufigen Reisepässe“ notwendig. Diese Regelung, die bereits am 1. Juli in Kraft tritt, erübrigt die bisher üblichen Exit-Permits, die die Ursache ungewöhnlicher Verzögerungen vor Beginn von Auslandsreisen darstellten.

Gewiß ist mit dieser Maßnahme ein neuer Schritt getan, die bürokratische Verkrustung des westdeutschen Paßwesens zu lösen. Wahrscheinlich wird man in Zukunft nun nicht mehr, wie bisher, auf eine Einreisegenehmigung nach Frankreich drei Monate, nach Schweden zwei Monate oder nach dem Saargebiet und nach Belgien einen Monat warten müssen. Optimisten glauben sogar, daß man ab 1. Juli innerhalb einer Woche in den Besitz der Einreisegenehmigung kommen kann. Doch das sind die Unbelehrbaren. Denn schließlich besteht nach wie vor das Combined Travel Board in Herford, in dem Amerikaner, Briten und Franzosen gemeinsam das Ausstellen der Pässe für Deutsche kontrollieren. Allein dieser Verfahrensweg ist schon reichlich umständlich, und er machte bisher vor allem Geschäftsreisen, die innerhalb kurzer Zeit durchgeführt werden mußten, unmöglich. Aber schließlich wollen von einer derartigen alliierten Dienststelle die vierzig Fragen des in dreifacher Ausfertigung einzureichenden Fragebogens, das polizeiliche Führungszeugnis, der Spruchkammerentscheid, die vierfach vorzulegende Befürwortung der Reise mit dem gleichfalls vierfachen Antrag auf Devisenzuteilung in Gemeinschaft mit den dreifach „notwendigen“ Lichtbildern auch richtig bearbeitet werden.

Viele Antragsteller haben diese Hürden, trotz zahlreicher Versuche, bis heute nicht nehmen können. Der Spruchkammerentscheid konnte keine Ablehnungsursache sein. Und da drängt sich manchmal der böse Verdacht auf, daß gewisse Deutsche nach Meinung der Söhne Albions einfach eines Auslandsaufenthalts unwürdig seien. Um für die Zukunft derartiges zu unterbinden, sollte das gesamte Paßwesen sehr schnell in deutsche Hände gelegt werden. Keinesfalls ist dazu aber der Vorschlag der Alliierten Hohen Kommission, ein zentrales deutsches Paßamt einzurichten, der richtige Weg. Wenn die Alliierten gewisse Personenkreise von Auslandsreisen ausschließen wollen (wie es bisher den Anschein hat), so könnten sie sich ja die Genehmigung dafür selbst vorbehalten. Aber wir wüßten doch wirklich einmal sehr gern, welche Personenkreise dies sind, und aus welchen Ursachen ihre Anträge bisher ohne befriedigende Antwort blieben. ww.