Zwischen einer britischen Wirtschaftsgruppe unter Führung des früheren Kriegsministers F. J. Bellenger und der fast hundertjährigen Frankfurter Bankfirma Bass & Herz ist eine Vereinbarung mit dem Ziel getroffen worden, die finanzielle, industrielle und kommerzielle Zusammenarbeit zwischen deutschen und britischen Firmen mit gleichartigen Interessen zu fördern, Bass & Herz werden eine neue Auslandsabteilung schaffen. Ihre Leitung wird J. O. Rickham übernehmen, der in der Deutschen Wirtschaftsabteilung des Foreign Office fünf Jahre hindurch bedeutende Aufgaben hatte. In den Beirat von Bass & Herz, einer offenen Handelsgesellschaft, werden ‚Mr. Bellenger und ein weiterer Labour-Abgeordneter, E. Fletcher eintreten. Fletcher ist Spezialist für internationales Recht.

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Es ist nur ein halber Zufall, daß diese Vereinbarung wenige Wochen nach der Bekanntgabe der ersten Erleichterungen für die Investition von Auslandskapital der Öffentlichkeit mitgeteilt wird. Die Urheber dieser neuartigen Partnerschaft haben seit vielen Monaten an diesem Plane gearbeitet. Seine endgültige Form konnte er wohl erst in dem Augenblick finden, in dem die Hohen Kommissare den ersten Schritt zur Lockerung des Embargos für ausländische Kapitalbeteiligungen in Westdeutschland taten. Diese Lockerung betrifft speziell nicht das neu nach Deutschland kommende Auslandskapital, sondern ausländische DM-Guthaben, ausländische Devisenforderungen, die durch gütliche Vereinbarung in D-Mark umgewandelt werden und ausländische Beteiligungen an deutschen Gesellschaften.

Hier liegt also das erste, jedoch keineswegs einzige Tätigkeitsfeld der neuen deutsch-englischen Partnerschaft, Alle die aufgezählten Aktiven können durch Allgemeingenehmigung in Grundstücken, Wertpapieren öffentlicher Körperschaften und börsengängigen Wertpapieren angelegt werden. Sie können außerdem durch Sondergenehmigung für Investitionen in Privatunternehmen und zur Zeichnung von aufgelegten Anleihen verwendet werden. Man schätzt die ausländischen DM-Guthaben in Westdeutschland auf 175 bis 190 Mill. DM, von denen erhebliche Beträge auf britische Gläubiger (Film, Luftfahrt, Schiffahrt, sowie eine Anzahl kleinerer industrieller Guthaben) entfallen. Bisher ist noch keine alliierte Regelung für den Transfer von Zinsen und Erträgen getroffen worden. Dazu wird vor allem von amerikanischer Seite stets die Befürchtung geltend gemacht, es könnten auf Umwegen die zur Unterstützung Westdeutschlands aufgewandten Dollarbeträge in ausländische Taschen abfließen.

Naturgemäß wird sich allein aus dem britischen Abschnitt der DM-Guthaben – über Stillhalte-Guthaben und über alte deutsche Anleihen im Ausland dürfte erst sehr viel später eine Klärung zu erwarten sein – keine ausreichende Dauerbasis für die jetzt eingegangene deutsch-britische Partnerschaft schaffen lassen. Dies ist den Beteiligten vollauf bewußt und sie würden wohl kaum eine so permanente Bindung eingegangen sein, wenn nicht auch auf verschiedenen anderen Gebieten die Arbeitsmöglichkeiten – sozusagen – auf der Straße lagen.

Das engere Zusammenrücken der europäischen Wirtschaft kann ja nicht nur durch Schuman-Pläne für Kohle und Stahl, später vielleicht auch für die Landwirtschaft und andere Wirtschaftszweige zur Tatsache werden. Es müssen auch die vielen kleinen Bausteine benutzt werden, die früher meist unsichtbar blieben.

Ein anderer Gedanke erhält sein Gewicht aus den besonderen Konkurrenzverhältnissen unter der Vollbeschäftigung. Soll der Hersteller von Bergwerksmaschinen oder von Stahlwerksanlagen ein größeres Objekt, daß er selbst wegen vollem Auftragsbuch nur mit außerordentlich langen Lieferfristen übernehmen könnte, einfach fahren lassen? Würde es nicht der europäischen Integration entsprechen, wenn über eine Partnerschaft gleichartiger Interessen, sagen wir in England und Deutschland, versucht würde, an die gemeinsame Ausführung eines derartigen Auftrages für die Ausrüstung eines Bergwerks oder Stahlwerks heranzugehen? Oder die Forschung; Durch zehn Jahre der Abschnürung vom internationalen Forschungswettbewerb sind bestimmte Zweige der deutschen Elektronen- und Schwachstromindustrie gegenüber der amerikanischen Konkurrenz ins Hintertreffen geraten. Ließe sich nicht eine Poolung europäischer Forschung in genau spezialisierten Einzelproblemen anbahnen?