Zürich, Ende Juni

Vier europäische Nationen gaben sich ein Stelldichein bei den Junifestwochen des Zürcher Schauspielhauses. Drei ausländische Gasttruppen und das Zürcher Ensemble boten einen Querschnitt durch das europäische Theater.

Das Londoner Old Vic Theatre brachte einen Hamlet, der herausgewachsen war aus der jahrhundertealten englischen Bühnentradition. Der Hamlet Michael Redgraves ist eine königliche Gestalt mit der Reizempfindlichkeit eines großen Menschen. Das wie aus einem Guß zusammengefügte Ensemble scheut weder Pathos noch leidenschaftliche Rhetorik, wahrt aber die poetische Schönheit des Worts in jeder Linie.

Das italienische Theater war durch einen seiner elementarsten und heitersten Dichter vertreten, durch Goldini. Sein berühmter Dreiakter Der Diener zweier Herren wurde in der Inszenierung von Giorgio Strehler mit dem Ensemble des Piccolo Teatro von Mailand zu einem sprühenden Feuerwerk: In südländischer Geschwindigkeit, Grazie und Schwerelosigkeit wickelte sich die Komödie der Irrungen ab, eine von Literatur völlig unbelastete Harlekinade, die mit der Bühne steht und fällt.

Frankreich war durch eine schon in die Theatergeschichte eingegangene Standardaufführung repräsentiert. Molières Ecole des femmes wurde durch Jouvets maß- und zuchtvolle Regie klassische Komödie in organischer Einheit von mimischer Gebärde und dichterischem Wort.

Diese drei jeweils aus dem spezifischen nationalen Theater heraus gewachsenen Aufführungen waren Triumphe des Komödiantischen, Spielerischen, Szenischen, des ursprünglichen, mimisch bestimmten Theaters. Im Gegensatz dazu wurde die Schweizerische Erstaufführung von Hofmannsthals Gerettetem Venedig in Hilperts Inszenierung mit dem Zürcher Ensemble zu einem Fest der deutschen Sprache. Hofmannsthal, einer der letzten großen Abendländer deutscher Sprache und Kultur, hat in diesem europäischen Theaterreigen das deutsche Drama würdig vertreten. Indes ließ die gehörte Zürcher Aufführung doch nicht ganz die Abhängigkeit vom Literarischen übersehen. Hansres Jacobi